Ausbildungssituation ist wichtigste Baustelle

Ausbildungssituation ist wichtigste „Baustelle“

 Baugewerks-Innung Cochem-Zell: Aktiv für den Berufsnachwuchs

 

Über ein Plus an Mitgliedsbetrieben freut sich die Baugewerks-Innung Cochem-Zell. Waren es im letzten Jahr noch 35, so zählen jetzt 39 Mitglieder zum Innungsteam: eine rührige Gemeinschaft rund um Obermeister Rainer Angsten, die angesichts des Fachkräftemangels an der Zukunft der Berufsbranche “bauen“ will. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht dabei die Idee zum „Freiwilligen Handwerksjahr“.

 Ziel ist es, dem Trend zum Studium entgegen zu wirken und das Augenmerk auf eine handwerkliche Ausbildung zu lenken. Jungen Menschen soll die Möglichkeit gegeben werden, nach der Schule für ein Jahr diverse Handwerksbetriebe kennenzulernen, als Pendant zum bereits lange etablierten und beliebten „Freiwilligen Sozialen Jahr“. Die Idee zur Initiative entstammt Gymnasiallehrer David Angsten.

 Das Konzept steht. Handwerkskammer (HwK) Koblenz, Kreishandwerkerschaft Mittelrhein, die Baugewerks-Innung und der Landkreis Cochem-Zell wollen das Projekt gemeinsam voranbringen. Weitere Institutionen können sich einbringen. Allein an der Finanzierung scheitert der Plan bis dato.

 Diplom-Pädagoge Ulrich Meinhard von der HwK Koblenz koordiniert das Projekt. Er und sein Team wurden bereits beim Landesministerium für Wirtschaft vorstellig, schildert Meinhard. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Es gelte abzuwarten.

 „Dabei wäre ein solches Jahr eine sehr gute Orientierungshilfe für junge Leute“, ist Thomas Berenz, Dachdeckermeister und stellvertretender Obermeister der Baugewerks-Innung Cochem-Zell überzeugt. „Für Abiturienten, aber auch für Haupt- und Realschulabgänger, als Alternative zur weiteren schulischen Ausbildung, die für den ein oder anderen auch perspektivlos sein kann.“

 Aus verschiedenen Bausteinen soll das Handwerksjahr bestehen. Je nach Interessensgebiet werden mehrere Stationen durchlaufen, also mehrere Handwerke im Rahmen jeweils ein- bis zweiwöchiger Praktika zu erleben sein. Auch Auslandsaufenthalte sollen möglich gemacht werden. Dazu kommen Module wie Einführungslehrgang, pädagogische Seminare und Exkursionen.

 Das Spotlight der Aufmerksamkeit aufs Handwerk zu legen, halten Berenz und Angsten für längst überfällig. Denn das Handwerk habe goldenen Boden. „Wir können sowohl regional als auch überregional eine hohe Auslastung der Dachdeckerbetriebe verzeichnen“, so Thomas Berenz. Dabei biete die Branche ein „breit gefächertes Betätigungsfeld, gute Verdienstmöglichkeiten, vielfältige Weiterbildungsangebote und auch gute Berufschancen für Migranten – inklusive Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten.“

 Und wer sich nach oben gearbeitet hat, findet als Handwerksunternehmer mit den Innungen starke Gemeinschaften vor. Wieso sich der Eintritt ins Team lohnt? Ob Betriebswirtschftliches oder Rechtliches, Technisches oder Personelles: Es gibt „hervorragende kostenlose Informationen in vielen Fragen rund um den Betrieb“, schildern Angsten und Berenz. Daneben locken u.a. günstige Einkaufskonditionen im Verbund, Unterstützung bei Werbemaßnahmen, Vertretung gegenüber der Politik, positive Außendarstellung, Erfahrungsaustausch der Mitglieder untereinander und umfangreiche Gewährleistung der Industrie.

 Das Grußwort von Landrat Manfred Schnur, ein Servicevortrag rund um die neuen Bauverträge und die Vorstellung von Andreas Unger prägten die jetzige Jahreshauptversammlung der Innung. Unger ist Nachfolger von Rolf Fuhrmann, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Rheinland-Pfalz.

 Weitere Infos rund um die Innungsarbeit auf www.baugewerks-innung-cochem-zell.de.


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