Junge Leute f├╝r`s Handwerk gewinnen

Freiwilliges Soziales Handwerksjahr: HwK Koblenz will Idee von Lehrer David Angsten umsetzen, KH Mittelrhein und Landrat Schnur mit im Boot

Die Idee „Freiwilliges Soziales Handwerksjahr“ wird greifbar. Ein erstes Konzept steht. Vorgestellt wurde es nun im Rahmen der Delegiertentagung der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein im Schloss-Hotel Petry in Treis-Karden. Handwerkskammer Koblenz, Kreishandwerkerschaft Mittelrhein und der Landkreis Cochem-Zell wollen die Vision, ersonnen von Gymnasiallehrer David Angsten und Kreishandwerksmeister Rainer Angsten, voranbringen. Losgehen gehen soll es im August 2018.

 Der Schulabschluss ist in der Tasche. Und dann? Viele junge Leute mögen sich noch nicht festlegen, wohin die Reise in puncto Job gehen soll. Folglich wird erst einmal ins Berufsleben „hineingeschnuppert“, zum Beispiel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Ein längst bewährtes Erfolgsmodell. Mancher Jugendliche hat so seinen Traumjob gefunden, etwa David Angsten selbst.

 Für das Team rund um den Lehrer aus Kirchberg, und Ulrich Meinhard von der HWK Koblenz könnte ein solcher, ähnlich gestrickter Rahmen auch „ein toller Ansatz  sein, um jungen Leuten das Handwerk schmackhaft zu machen.“ Denn dem geht bekanntlich angesichts des Akademisierungs-trends der Berufsnachwuchs aus. Ihre Idee: ein Freiwilliges Soziales Handwerksjahr. Rund 60 Delegierten trugen David Angsten und Ulrich Meinhard ihr Konzept vor: „Wir möchten den Menschen zeigen, dass eine attraktive Werkstatt vielleicht die bessere Perspektive bietet als ein überfüllter Hörsaal.“ 

 Aus verschiedenen Modulen soll das Jahr bestehen. Im Mittelpunkt steht das praktische Tun. Handfest soll zu erfahren sein, was es bedeutet, ein individuelles Möbelstück schreinern zu können, ein Dach einzudecken, kunstvolle Torten zu kreieren oder ein Brückengeländer zu fertigen. Ergebnisse, die – anders als im Studium – sichtbar sind. Die Absolventen des Handwerksjahres sollen je nach Interessenlage mehrere Stationen durchlaufen, also mehrere Handwerke im Rahmen von jeweils mehrwöchigen Praktika erleben können. Auch Auslandsaufenthalte sollen möglich gemacht werden. Die HwK, so Meinhard, habe Kontakte u.a. zu Helsinki, Vincenza, Valencia, Cork und Wien. Dazu kommen Module wie ein Einführungslehrgang, pädagogische Seminare und Exkursionen.

 Der vorsitzende Kreishandwerksmeister Detlef Börner, der die Tagung moderierte, zeigte sich überzeugt von der Idee und sagte im Namen der Kreishandwerkerschaft gerne zu, Betriebe informieren sowie mobilisieren zu wollen: „Wir werden das unterstützen.“ Auch Landrat Manfred Schnur ist dabei und lieferte gleich weitere Vorschläge. So könne ein Modul darin bestehen, z.B. im Rahmen von Praktikumstagen bei der Kreisverwaltung zu erfahren, wie eine öffentliche Ausschreibung funktioniert.

 Nächster Schritt wird sein, das Konzept beim Wirtschaftsministerium in Mainz, bei der Arbeitsagentur Neuwied, der ADD Außenstelle Koblenz und weiteren Entscheidungsträgern vorzustellen. Die Termine stehen bereits in Kürze ins Haus. Wunschdatum für den Start des Freiwilligen Sozialen Handwerksjahres ist August 2018.  


Fotos: Michael Jordan