Orthopädie-Schuhmacher als „Mobilmacher“

Wichtigkeit des Bindegewebes wird unterschätzt

Auf der Suche nach dem Ursprung „unerklärlicher“ Schmerzen: Dr. Charles Mathonet referierte bei der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz

 Der Mensch ist ein „Meister des Gehens“. Daran, dass dies auch bei Beschwerden so bleibt, arbeiten Mediziner und Orthopädie-Schuhmacher gleichermaßen. Über einen ebenso jungen wie vielversprechenden Forschungszweig, woher bis dato unerklärliche Schmerzen rühren könnten, berichtete nun Dr. Charles Mathonet, Oberarzt im Neuwieder Marienhaus Klinikum St. Elisabeth. Im Visier des Mediziners: das Bindegewebe.

 Im Koblenzer Servicehaus Handwerk versammelten sich die Mitglieder der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz, um dem Experten für Orthopädie und Unfallchirurgie zu lauschen. Viel zu lange, so das Credo des Mediziners, blieb das Bindegewebe in puncto Forschung unbeachtet. Ging es um Beschwerden, untersuchte man die Knochen und die Muskeln, nicht aber die Faszien, das Bindegewebe, die Bänder und Sehnen, die die Muskeln umschließen. Anders als lange angenommen, sei es keineswegs bloßes „Füllmaterial“, so Mathonet. Ganz im Gegenteil.

 Das Netzwerk aus Bindegewebe, das den gesamten Körper durchzieht und stabilisiert, „lebt und verändert sich“. Unter anderem diene es als feuchtes Schmiermittel, das die Muskeln bei Bewegung flexibel aneinander vorbeigleiten lässt. Zudem befinden sich Rezeptoren an den Faszien, die dem Menschen gemeinsam z.B. mit dem Sehsinn und dem Gleichgewichtsorgan helfen, seine Lage wahrzunehmen. „Verfilzen diese Faszien, etwa durch Bewegungsmangel, kann dies ein Erklärungsmuster für Schmerzen sein“, schilderte Charles Mathonet. Eine Erkenntnis, die den Weg für neue Behandlungsmethoden und sinnvolle Maßnahmen zur Vorbeugung ebnet. „Wir wissen heute: Möglichst vielfältige Bewegungen sowie spezielle Massagen erhalten die Elastizität des Bindegewebes“.

 Dass der Körper kein starres Gerüst ist, sondern ein biegsames, dynamisches Modell, das über Bänder und Federn miteinander verbunden ist – dieses Bild gewinne in der Medizin mehr und mehr an Bedeutung, ist der Arzt aus Belgien überzeugt.

 Auch für die Orthopädie-Schuhmacher als „Mobilmacher“ sind Denkanstöße dieser Art von großer Wichtigkeit. Dementsprechend interessiert wurde der Vortrag des Experten aufgenommen. Rührig ist die Innung, die 81 Vollmitglieder umfasst: Ob Treffen mit dem Zentralverband, Ausarbeiten von Verträgen mit den Krankenkassen, Öffentlichkeitsarbeit zur Nachwuchsgewinnung oder Teilnahme an Messen. Die Orthopädie-Schuhmacher sind dabei. Die Institution, die allen hiesigen Innungen vorsteht, ist die Kreishandwerkerschaft (KH) Mittelrhein. Sie organisierte, wie immer, auch die jetzige Herbstversammlung und bot ein umfassendes Serviceangebot. So sorgte Steuerberater und Diplom-Finanzwirt Gerhard Regnery für Durchblick in puncto „Schwerpunkte der Steuerprüfung im Handwerk“. Über Aktuelles aus dem Zentralverband (ZVOS) sowie Vertragssituation und Abrechnungsfragen aus der Praxis berichtete stellv. Hauptgeschäftsführer Michael Seelig. Die Finanzen der Innung sind das Ressort von Geschäftsführer Karlheinz Gaschler, wobei die Beschlüsse einstimmig erfolgten. Am Ende des Tages gab es viele zufriedene Gesichter – und neue Ideen, wie der Mensch auch in fortgeschrittenem Alter gut zu Fuß unterwegs sein kann.  


Foto: Archiv

Dr. Charles Mathonet (rechts) referierte über Verfilzung des Bindegewebes als mögliche Ursache für Schmerzen.

Weitere Personen auf dem Bild (v.l.n.r.):

Stellv. Obermeister David Hassler, Lehrlingswart Stefan Egelhof, Steuerberater Gerhard Regnery, Vorstandsmitglied Paul Schüller, hinten Stellv. Hauptgeschäftsführer des ZVOS Michael Seelig, vorne Obermeister Karl-Heinz Weber, Geschäftsführer Karlheinz Gaschler