Akademisierungswahn geht am Bedarf der Wirtschaft vorbei

In der Obermeister- und Delegiertenversammlung der Kreishandwerkerschaft Ahrweiler begrüßte Kreishandwerksmeister Frank Wershofen den Präsidenten der Handwerkskammer Koblenz, Kurt Krautscheid, und Andreas Homann den Referenten des Handwerks im Wirtschaftsministerium in Mainz.

„Die Akademisierung der Ausbildung belastet die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung nicht zuletzt auch im Handwerk“, so brachte es Kreishandwerksmeister Frank Wershofen auf den Punkt. Die Karriere-Chancen im Handwerk bis hin zum selbständigen Handwerksmeister werden übersehen. Die Wirtschaft verfügt nicht über eine so hohe Zahl an Stellen für die zukünftigen Bachelor-Absolventen. Die volkswirtschaftlichen Kosten der Ausbildung über das Studium sind enorm. Dagegen trägt das Handwerk die Kosten einer Ausbildung bis hin zur monatlichen Ausbildungsvergütung.

In der Obermeistertagung berichtete Kreislehrlingswart Rolf Genn von der Zusammenarbeit mit den Schulen und den Vorteilen von Betriebs-Praktika. Erfreulich sei, dass die Lehrlingszahlen in den Innungen noch stabil bei 506 (Vorjahr 491) liegen. Allerdings darf nicht verkannt werden, dass in manchen Gewerken bereits über 10 Prozent der Lehrstellen nicht besetzt werden können. Vor allem gilt es die Fachkräfte stärker im Handwerk zu halten, so Genn, um die Abwanderungsquote zu senken. Im Handwerk stellen 341 Betriebe im Kreis Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Vom Wirtschaftsministerium berichtete Andreas Homann als Handwerks-Referent über die Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mit den Ausbildungs-Zentren an den Handwerkskammern sind in Rheinland-Pfalz Kompetenz-Zentren geschaffen worden. In der gemeinsamen Diskussion nahm Homann die Sorgen und Nöte des Handwerks auf.

Präsident Kurt Krautscheid plädierte für die duale Ausbildung mit dem Dreisprung Lehrling – Geselle – Meister. Er dankte dem Ehrenamt im Kreis Ahrweiler für die tatkräftige Unterstützung in Sachen Ausbildung und die gemeinsamen Interessenvertretung. An die Landesregierung appellierte Krautscheid, die energetische Sanierung anzuschieben. Derzeit wird lediglich 1% der Häuser beispielsweise im Dachbereich jährlich gedämmt. So kommt man nicht voran.

Neben der Gesamtinteressen-Vertretung ist eine Hauptaufgabe der Kreishandwerkerschaft die Einzelinteressen-Vertretung. „Die Betriebsberatung spielt hierbei eine zentrale Rolle“, so Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler. Sei es Arbeits- oder Tarif-Recht, betriebswirtschaftliche Fragen, Betriebsnachfolge oder Ausbildungsberatung, so ist die Organisation der Innungen und Kreishandwerkerschaft gefragt.

Nach dem Bericht der Kassenprüfer Bernd Klein und Reinhold Jeub wurde Vorstand und Geschäftsführung einstimmig Entlastung erteilt. Zu den Zahlen erläuterte Gaschler, dass die Mitgliederzahl stabil bei 426 Betrieben liege. Die Lohnsumme ist auf 43,5 Mio. Euro gestiegen.