Mit Kopf, Herz und Hand ins Berufsleben starten

Orientierung Handwerker erklären Schülern die Chancen ihrer Gewerbe
 
Für die jungen Leute ist es eine der wichtigsten Entscheidungen, die sie in naher Zukunft fällen müssen: Lieber eine weiterführende Schule besuchen, oder doch eine Lehre im Handwerk beginnen? Was auf sie zukommt, wenn sie sich für Baugewerbe, Fleischerlehre oder einen anderen Handwerksberuf interessieren, erklärten die Kreishandwerker den Schülern der Schiller-Realschule plus bei einer Diskussionsveranstaltung. Denn eins ist klar: Rund um den Berufseinstieg im Handwerk ergeben sich für junge Leute viele Fragen.
„Deswegen ist es für uns wichtig, eine Brücke zur Wirtschaft und zu den Betrieben zu bauen“, erklärte Schulleiter Paul Arzheimer. Am anderen Ende dieser Brücke stehen Menschen wie Kreishandwerksmeister Johannes Lauer und Handwerker-Geschäftsführer Alexander Zeitler. Ihre Botschaft an die Schiller-Schüler: Karrierechancen im Handwerk gibt es – aber auch gewisse Anforderungen für den Einstieg. Berufskoordinatorin Diana Ferdinand hatte mit den Schülern einige Fragen erarbeitet – unter anderem dazu, wie die Handwerkerschaft die begonnene Zusammenarbeit mit den Schulen mit Leben füllen will. Praktika und Betriebsbesichtigungen plus Informationsveranstaltungen, etwa daran denkt Lauer, wenn es darum geht, wie sich Schulen und Betriebe austauschen können.
Wer seine Zukunft im Handwerk sieht, der muss vor allem in Mathematik fit sein und im Deutschunterricht gut aufpassen – „und sportlich sein sollte man auch“, mahnte Lauer. Nicht nur in seiner Branche, dem Dachdeckerhandwerk, sei das wichtig. Ein gepflegtes Äußeres, gutes Benehmen und Teamfähigkeit gehören aber genauso dazu. Aber vor allem gilt: „Handwerk, das ist nichts für Doofe“, sagte der Handwerksmeister unmissverständlich. Mit Kopf, Herz und Hand werde hier gearbeitet. Um herauszufinden, ob die jungen Leute sich eine Karriere im Handwerk vorstellen können, rieten die Gäste vor allem dazu, frühzeitig Praktika zu machen: „Handwerk muss man erleben, um es richtig kennenzulernen“, war Lauers Rat.
Für Jobs im Handwerk entscheiden sich auch immer mehr junge Frauen – und zwar nicht nur, weil die Karrierechancen hier gut sind, wie die Handwerker betonten. Es ist immer noch oft harte Arbeit, aber dank technischer Hilfsmittel heute für Frauen viel eher zu schaffen als früher, da waren sich die Besucher einig. Für Schulleiter Arzheimer war klar: „Viele Kulturleistungen, viele berühmte Gebäude wären ohne Handwerker nie entstanden.“ Und Bürgermeister Josef Oster machte den Schülern Mut: Einen guten Ausbildungsplatz zu finden, sei leichter als noch vor zehn Jahren. „Im Kreis gibt es viel zu tun für gute Handwerker“, ermunterte er.
Neben den besonders beliebten Berufen wie Kfz-Mechatroniker bei den Jungs und Friseurin bei den Mädchen sollten die jungen Leute auch darüber nachdenken, bei einem Praktikum auch die etwas weniger populären Jobs kennenzulernen. Im Bauhauptgewerbe, also bei den Maurern, Zimmermännern, Beton- und Straßenbauern, müsse man zwar kräftig anpacken, aber die Bezahlung sei auch entsprechend gut. In der Lebensmittelverarbeitung, bei den Fleischern, Bäckern und Konditoren zum Beispiel, seien hohe Hygieneansprüche prägend. Aber dafür mache die Arbeit mit Lebensmitteln auch viel Spaß.
Immer beliebter werde das Handwerk auch deshalb, weil es nicht mehr unter alten Imageproblemen leide. Die Wertschätzung für die Arbeit sei heute höher. Lauer riet, es einfach einmal auszuprobieren. Und er weiß: „Wer etwas Anständiges gelernt hat, für den wird es sein ganzes Leben lang Arbeit geben.“
 

Foto: Alexander Hoffmann
 
Bildbeschreibung:
Hat Handwerk goldenen Boden? Auf dem Podium saßen Bürgermeister Josef Oster, Alexander Zeitler und Johannes Lauer von der Kreishandwerkerschaft sowie Schulleiter Paul Arzheimer (von links).