Fleischer-Innung Ahrweiler: Hohe Qualit├Ąt, aber fehlender Nachwuchs

Freiwillige Selbstkontrolle mit sehr guten Ergebnissen – Sorge um regionale Ausbildung
 
Die Freude über gute Qualität der hiesigen Fleischerfachgeschäfte, aber auch die Sorge um den fehlenden Nachwuchs bestimmten die Jahreshauptversammlung der Fleischer-Innung Ahrweiler in Spessart. An der freiwilligen Selbstkontrolle haben im vergangenen Jahr von 24 Mitgliedsbetrieben der Innung 22 Fleischerfachgeschäfte teilgenommen. Abgegeben wurden insgesamt 57 Proben, davon ausgezeichnet nicht weniger 50. Von diesen schlossen 39 mit der Note sehr gut (16 Punkte), elf mit gut ab (15 Punkte) – ein herausragendes Resultat (Einzelergebnisse siehe Kasten unten).
„Dieses hervorragende Ergebnis zeigt zum wiederholten Mal den hohen Qualitätsstandart der handwerklich hergestellten Wurst unserer Innungsbetriebe“, betonte Obermeister Bernd Groß. „Durch die kurzen Transportwege von den heimischen Bauernhöfen in die regionalen Schlachtstätten und die kurzen Wege von den Schlachtstätten in die Fleischerfachgeschäfte sowie durch die Verarbeitung dieser frisch geschlachteten Tiere können wir diesen hohen Qualitätsstandard halten.“
 
Ausbildung oberstes Gebot
 
Trotz dieser positiven Bestandsaufnahme ist nicht alles eitel Sonnenschein im hiesigen Fleischereigewerbe. Das Hauptproblem besteht im Fehlen junger Leute, die sich für dieses Handwerk interessieren. „Die Zukunft heißt Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung“, sagte Gastredner und Landesinnungsmeister Günter Schütz. „Der Mangel ist da. Nehmen Sie diese Sache ernst“, mahnte Schütz die rund 20 Anwesenden.
In der Tat sind die Lehrlingszahlen gerade im Kreis Ahrweiler erschreckend. Nur 13 junge Leute besuchen die Fachklasse der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr, darunter neun Fleischer und vier Fleischereifachverkäufer. Alleine sechs davon machen 2012 ihre Prüfung, so dass vorerst nur noch drei Auszubildende des ersten und vier des zweiten Lehrjahrs verbleiben, wenn nicht neuer Nachwuchs hinzukommt. „Wir können zwar kleine Klassen bilden, aber keine unter zwölf Schülern“, betonte Fachlehrer Gerhard Lügger. Schon jetzt seien schließlich zwei Berufszweige und drei Jahrgänge in einer Klasse zusammengeschlossen, was schwierig zu unterrichten sei.
Trotz fehlender „Patentlösungen“, wie auch Schütz eingestehen musste, möchte die Ahrweiler Innung das Problem jetzt konkret angehen. Man beschloss in Spessart, eine Lösung im Rahmen eines Blockunterrichts für Azubis zusammen mit der Landesinnung zu sondieren. Schon ab 2013 könnten diese dann für jeweils eine oder zwei Wochen am Stück unterrichtet werden. Möglich ist auch eine Konzentrierung der hiesigen Fleischerazubis in Boppard oder Neuwied mit Fleischerlehrlingen aus anderen rheinland-pfälzischen Regionen. So ließen sich auch wieder eigene Fach- und Jahrgangsklassen bilden. Die Unterbringung der Azubis vor Ort ist dabei allerdings eine Frage, die geklärt werden müsste.
 
  
Werbung tut Not
 
Auch das konkrete Werben von Nachwuchs möchte die Innung vorantreiben. Eine gute Chance dazu bietet sich zur 6. Ahrtalschau vom 1. bis 4. November in Bad Neuenahr mit 15.000 erwarteten Besuchern, darunter vielen Schulklassen. Geplant ist eine „Ausbildungsbar“, wo Azubis konkret Schüler ansprechen und zu den einzelnen ausstellenden Betrieben führen, berichtete Kreishandwerksmeister Frank Wershofen. „Der geringe Altersunterschied zwischen Azubis und Schülern senkt die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme“, ist sich Wershofen sicher. Von Vorteil sei es zudem, wenn hiesige Fleischereifachgeschäfte sich zusammenschließen und das Catering der Ahrtalschau übernehmen würden.
Auch die Innung verstärkt die Imagearbeit innerhalb ihrer Reihen. So hat die Tochter des Obermeisters, Dagmar Groß-Mauer, die jüngeren Innungsmitglieder um sich geschart. Zusammen möchte man als Arbeitskreis die Werbung per Facebook vorantreiben oder Grillwursttestaktionen mit Prämierung durch Passanten durchführen.
Groß-Mauer wurde zum Ende der Jahreshauptversammlung neben Heinz Ropertz und Daniel Gemein als Stellvertreter des Meisterbeisitzers im Gesellenausschuss Guido Braun gewählt.
 

Foto: BÜN
 
Obermeister Bernd Groß (3.v.r.) zeichnete im Rahmen der Jahreshauptversammlung Teilnehmer der freiwilligen Selbstkontrolle im Fleischereihandwerk aus.