Energiepolitik ist aktive Wirtschaftspolitik im Kreis

Das Handwerk stellt mit seinen 1283 Meisterbetrieben und über 500 handwerksähnlichen Betrieben einen starken Wirtschaftsfaktor im Kreis dar. Mit 523 Auszubildenden stellt das Handwerk jeden 3. Ausbildungsplatz zur Verfügung. Der Dreiklang Lehrling - Geselle - Meister habe sich im Handwerk bewährt, so Kreishandwerksmeister Frank Wershofen. Allerdings sind die Anforderungen durch den technologischen Wandel sehr deutlich gestiegen, sodass Weiterbildung angesagt ist. Die Ahr-Akademie mit den Innungen und der Kreishandwerkerschaft bieten die Grundlage für eine effektive Einzel- und Gesamtinteressenvertretung. Das Serviceangebot der Organisation, das deutlich erweitert wurde, wird dank eines gemeinsamen Außendienstes besser angenommen. Die Image-Kampagne „Das Handwerk – Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ zeigt bereits Erfolge und das Handwerk wird als  meisterlicher Partner wahrgenommen. Wershofen erhofft sich, den Nachwuchs im Handwerk zu stärken und so die Fachkräfte zu sichern.
 
Mit Spannung erwarteten Obermeister und Ehrenamt die Ansprache von der neuen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke. „Gegen den Klimawandel kann man debattieren oder demonstrieren aber besser ist es zu installieren“ so Kreishandwerksmeister Frank Wershofen in seiner einführenden Begrüßung.
„Handwerk hat grünen Boden“ – unter diesem Motto stand jetzt ein Referat von Eveline Lemke, der neuen Wirtschaftsministerin und Vize-Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, in der Ahr-Akademie in Ahrweiler. Kreishandwerksmeister Frank Wershofen hatte die Bad Bodendorferin zur Obermeister- und Delegiertentagung der Kreishandwerkerschaft Ahrweiler eingeladen. Der Atomausstieg und die Umstellung auf regenerative Energien werden den Markt bald tüchtig in Bewegung bringen und dem Handwerk Arbeitsplätze und Umsätze bescheren, prophezeite Lemke.
Die Technologien für die energetische Sanierung von Gebäuden seien bereits weit fortgeschritten. Inzwischen sei es möglich, Altbauten zu Null- und sogar zu Plus-Energie-Häusern zu sanieren. Einen großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf sieht die junge Ministerin hingegen noch bei der dezentralen Energieerzeugung, -speicherung und -verteilung. Die Energieerzeugung der Zukunft müsse dezentral sein.
Sei es Wärmedämmung, Photovoltaik, Kraftwärmekoppelung und erneuerbare Energien, so ist das Handwerk über Hochbauer, Dachdecker, Elektroniker und SHK-Anlagenmechaniker, um nur einige zu nennen, bei der Installation gefragt. Dies unterstrich Wirtschaftsministerin Eveline Lemke in der Ahr Akademie in Ahrweiler vor dem breiten Publikum der Obermeister und Ehrenamtsträger im Handwerk. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist in Hinblick auf die CO2 Bilanz im Kreis dringend geboten. Ebenso bedeutend ist aber die stärkere wirtschaftliche Unabhängigkeit in Zeiten weiter steigender Energiekosten am Weltmarkt. Lemke verspricht sich eine weitere Steigerung der Arbeitsplätze im Sektor der erneuerbaren Energien. Alle, Kommune, Industrie, Handwerk aber auch Hauseigentümer sollten die Energiewende in eigene Hand nehmen. Die Landesregierung werde mit der ISB Bank und der Förderung des Bundes dies tatkräftig unterstützen. In Hinblick auf die Anfrage der Bauhandwerker zeigte Lemke insbesondere die Sanierung der Gebäude im Bestand und die Null-Energie-Häuser im Neubau auf. Die Sanierungsquote ist aber bei weitem zu niedrig. Die Landesregierung wolle Anreize dafür schaffen, dass diese Quote auf drei Prozent steigt. Um die Drei-Prozent-Marke zu erreichen, müssten kluge Netzwerke geknüpft und Transformationsprozesse etabliert werden. Dazu wolle die Landesregierung ab dem kommenden Herbst in jedem Landkreis Energiemanager beschäftigen, die die vor Ort wichtigen Akteure zusammenbringen. Einen besonders großen Sanierungsbedarf sieht Lemke beim Mietwohnraum.
Die Handwerkskammer Koblenz war auf der Obermeistertagung durch Vizepräsident Peter Gieraths und Hauptgeschäftsführer Alexander Baden vertreten. Sie sagten ihre Unterstützung für das selbständige Handwerk im Kreis zu. Gemeinsam mit den Ehrenamtsträgern wurden Fragen zur Energiewende aber auch der Kosten des Umstiegs erörtert.
Lemke forderte die Obermeister und Delegierten des Kreises Ahrweiler auf, sich an einer Fachkräfte-Offensive für das Handwerk zu beteiligen. Allein in Rheinland-Pfalz gebe es 300.000 Menschen mit Migrationshintergrund und ohne regulären Ausbildungsabschluss. Diese Gruppe häufig hochmotivierter und hochqualifizierter Menschen stelle ein enormes Mitarbeiterpotenzial dar, das es zu erschließen gelte.
 
Finanzen und Geschäftsbericht legte Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler vor, die einstimmig beschlossen wurden. Weiterhin haben die Obermeister mit www.fachhandwerk.de das wichtige Portal für das Handwerk auf den Weg gebracht. Hier kann sich der Verbraucher oder Bauherr eingehend über das Handwerk mit seinem qualifizierten Angebot informieren. Die Ausbildungsplatz- und Praktikumsbörse www.tooldu.de mit vielen Informationen rund um die Ausbildung im Handwerk wird in Kürze folgen.