Erste große Freisprechungsfeier soll jungen Fachkräften Bühne bieten | |||||
|---|---|---|---|---|---|
Zwischen Sorgen um den klassischen Straßenbau sowie steigende Materialkosten und Freude über die neue zentrale Freisprechungsfeier verschiedener Baugewerke stand die Jahreshauptversammlung der Straßenbauer-Innung Koblenz im Hotel Silicium in Höhr-Grenzhausen. Geleitet wurde die Sitzung von Dr. Kai Müller, der seit dem Rücktritt des ehemaligen Obermeisters Ralph Schäfer im Januar 2025 kommissarisch an der Spitze der rührigen Innung steht. Müller zeichnete ein differenziertes Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Branche. Während der Tiefbau vom Ausbau der Glasfaser- und Energienetze profitiere, bleibe die Entwicklung im klassischen Straßenbau hinter den Erwartungen zurück. Viele Betriebe arbeiteten zwar noch Auftragsbestände aus den vergangenen Jahren ab, doch neuer Nachschub komme nicht kontinuierlich nach. Als Ursachen nannte Müller unter anderem die zeitweise ausgesetzten Ausschreibungen der Autobahn GmbH sowie die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. So fehlten mancherorts die Mittel für dringend notwendige Straßenbauprojekte. Auch aktuelle Zahlen unterstreichen die Entwicklung. Laut Daten des Elektronischen Verbandsinformations-, Recherche- und Analysesystems (ELVIRA) des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie sank der Auftragseingang im Straßenbau im März 2026 bundesweit um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 2,5 Prozent. „Der Eingang an neuen Aufträgen sinkt, während der Umsatz aus bereits laufenden Projekten noch steigt“, erläuterte Müller. Auch die Preisentwicklung bereite den Unternehmen Sorgen. Durch den Iran-Konflikt seien u.a. die Kosten für Bitumen, einen zentralen Bestandteil von Asphalt, deutlich gestiegen. „Damit müssen wir irgendwie zurechtkommen“, erklärte Müller. Zugleich machte er deutlich, wie wichtig eine kontinuierliche Auslastung für die Betriebe sei: „Das Teuerste ist für uns Stillstand. Deshalb ist es das kleinere Übel, benötigtes Material zu deutlich teureren als den kalkulierten Preisen einzukaufen“ Mit Blick auf das Sondervermögen forderte der stellvertretende Obermeister eine zügige Umsetzung. „Das Sondervermögen muss auf die Straße gebracht werden“, sagte er. Viele Unternehmen warteten bislang noch auf konkrete Ausschreibungen. Selbst wenn Gelder bereitstünden, dauerten Planung, Genehmigung, Haushaltsfreigabe und Ausschreibung oftmals Jahre. Seine Diagnose fiel entsprechend deutlich aus: „Die Substanz bröckelt schneller als die Bürokratie.“ Denn die Verwaltungsanforderungen steigen. „Bürokratie wird mehr und mehr aufgebaut“, sagte Müller und sprach sich für mittelstandsfreundliche Vergabeverfahren aus. Öffentliche Aufträge dürften nicht ausschließlich in riesigen Paketen ausgeschrieben werden, die nur von Großunternehmen bewältigt werden könnten. Auch die Ausbildung nahm breiten Raum in der Versammlung ein. Zwar sei der Fachkräftemangel weiterhin spürbar, habe sich zuletzt aber etwas abgeschwächt. Zum 1. August 2026 tritt zudem eine neue Ausbildungsverordnung für Straßenbauer in Kraft. Die Ausbildung wurde grundlegend modernisiert, unter anderem durch die Einführung einer gestreckten Abschlussprüfung anstelle der bisherigen Zwischenprüfung. Weiterhin setzt sich die Innung gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein für eine Änderung der Beschulung ein auf Initiative von Hauptgeschäftsführer Hoffmann. Statt Blockunterricht wünschen sich die Betriebe einen regelmäßigen wöchentlichen Berufsschulbesuch. „Wir möchten unsere Azubis jede Woche im Betrieb sehen, um sie so besser begleiten und unterstützen zu können“, erklärte Müller. Ein entsprechendes Gespräch mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Koblenz (ADD) habe bereits stattgefunden. Besonders hob er dabei die Unterstützung der KHS Mittelrhein hervor: „Super organisiert von Herrn Hoffmann.“ Lehrlingswart Paul Sauer berichtete über die aktuell laufenden Prüfungen und diskutierte gemeinsam mit den Mitgliedern über den Sinn und Unsinn von Berichtsheften. Einigkeit bestand darin, dass sorgfältig geführte Berichtshefte durchaus zum Lernerfolg beitragen könnten. In der Praxis würden diese jedoch häufig per Copy and Paste nur oberflächlich oder gar nicht geführt. Die Jahresrechnung 2025 sowie der Haushaltsplan 2026 waren das Thema von Geschäftsführer Ulf Hoffmann. Beides wurde einstimmig beschlossen. Für besondere Vorfreude sorgte ein neues Projekt, das auf Initiative von Hoffmann ins Leben gerufen wurde: Im August soll erstmals eine zentrale Freisprechungsfeier mehrerer Baugewerke stattfinden. Gemeinsam mit der Fliesenleger-Innung Mittelrhein, der Stuckateur-Innung Mittelrhein sowie der Baugewerks-Innung Rhein-Mosel-Eifel möchte die Straßenbauer-Innung Koblenz den erfolgreichen Ausbildungsabschluss junger Handwerker künftig in einem deutlich größeren und festlicheren Rahmen würdigen. Rund 220 Gäste werden zur Premiere erwartet. Neben einem Grußwort des Koblenzer Oberbürgermeisters David Langner sind auch musikalische Beiträge und ein Catering vorgesehen. Im Mittelpunkt steht die traditionelle Freisprechungsformel – jener feierliche Moment, in dem die Auszubildenden aufstehen, offiziell aus ihrem Ausbildungsverhältnis entlassen und zu Gesellen ernannt werden. Gerade dieser Augenblick sei oft besonders bewegend. Entsprechend groß ist die Vorfreude in der Innung. „Da sind wir sehr dankbar und freuen uns drauf“, hieß es aus den Reihen der Straßenbauer. Zum Abschluss der Versammlung informierte Andreas Theis, Syndikusrechtsanwalt der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz, über aktuelle Entwicklungen. Dabei beschäftigte er sich insbesondere mit dem geplanten Bundestariftreuegesetz. Dieses sieht vor, dass Unternehmen bei öffentlichen Bundesaufträgen künftig die Einhaltung tariflicher Löhne nachweisen müssen – auch von den Subunternehmern. Man unterstütze zwar das Ziel fairer Löhne, so Theis, sehe jedoch erhebliche Probleme bei der praktischen Umsetzung. Kritisch bewertet werde insbesondere das Haftungsrisiko für Hauptauftragnehmer, wenn Subunternehmer bewusst oder unbewusst gegen Vorgaben verstoßen. Zudem werde ein erheblicher zusätzlicher bürokratischer Aufwand befürchtet. Am Ende der Versammlung stand ein gemeinsames Abendessen bei weiteren Gesprächen unter Freunden und Kollegen. | |||||
