Können Handwerker ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen?

Nachgefragt: 

In diesem Abschnitt beantworten wir interessante Fragestellungen, die von unseren Mitgliedsbetrieben an uns herangetragen wurden und von grundsätzlichem Interesse sind.

Können Handwerker ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen?

Rund 80 Prozent aller Handwerksbetriebe werden von selbst√§ndigen Handwerksmeistern als Einzelunternehmen gef√ľhrt. Benutzt der selbst√§ndige Handwerksmeister zur Aus√ľbung seines Berufs (z.B. zur Erstellung von Kostenvoranschl√§gen, zur Abrechnung der erbrachten Leistungen, zur Ausarbeitung von Vertr√§gen usw.) ein Arbeitszimmer oder einen anderen beruflich genutzten Raum im h√§uslichen Umfeld, so sind die damit verbundenen Aufwendungen ab dem Veranlagungszeitraum 2007 nur unter der Voraussetzung abziehbar, dass das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Bet√§tigung bildet. Als Mittelpunkt in diesem Sinne gilt ein h√§usliches Arbeitszimmer dann, wenn der Steuerpflichtige dort diejenigen Handlungen vornimmt und Leistungen erbringt, die f√ľr die insgesamt ausge√ľbte Berufsarbeit wesentlich und pr√§gend sind. 

Ob das Arbeitszimmer im Einzelfall den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Bet√§tigung bildet, h√§ngt von den tats√§chlichen Feststellungen ab. Diese trifft jeweils das Finanzgericht als Tatsacheninstanz. Ausschlaggebend ist hierbei der inhaltliche Schwerpunkt der betrieblichen und beruflichen Bet√§tigung. Nicht bestimmend ist das Verh√§ltnis der zu Hause und ausw√§rts verdienten Einnahmen. Die im Arbeitszimmer ausge√ľbte T√§tigkeit muss als typisch und pr√§gend f√ľr den Beruf anzusehen sein. Es kommt folglich im Wesentlichen darauf an, wo der Steuerpflichtige die f√ľr seinen Beruf wesentlichen Leistungen erbringt. Obgleich innerhalb dieser Wertung das zeitliche √úberwiegen der au√üerh√§usigen T√§tigkeit nicht von vornherein ausschlie√üt, dass der Mittelpunkt im h√§uslichen Arbeitszimmer liegt, soll das Arbeitszimmer dann kein Mittelpunkt seiner beruflichen Bet√§tigung mehr sein, wenn der Steuerpflichtige mehr als nur gelegentlich im Au√üendienst t√§tig ist. Das hei√üt, sofern die Arbeit au√üer Haus Teil seiner Berufsarbeit ist, ist das Arbeitszimmer kein Mittelpunkt seiner beruflichen Bet√§tigung mehr. 

Abzugsverbot

F√ľr den selbst√§ndigen Handwerker, der zur Aus√ľbung seines Berufs ein Arbeitszimmer im h√§uslichen Umfeld nutzt, hei√üt das, dass ab dem Veranlagungszeitraum 2007 die Kosten hierf√ľr nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden k√∂nnen. Die Durchf√ľhrung der eigentlichen handwerklichen T√§tigkeit erfolgt nicht im Arbeitszimmer sondern beim Auftraggeber. Das Arbeitszimmer kann mithin nicht den Mittelpunkt der handwerklichen Bet√§tigung darstellen. Dies gilt uneingeschr√§nkt, obgleich der selbst√§ndige Handwerker auf sein Arbeitszimmer angewiesen ist, da ihm kein anderer fester Arbeitsplatz zur Verf√ľgung steht. Schlie√ülich kann auch der im Au√üendienst t√§tige selbst√§ndige Handwerker einen Teil seiner Arbeit nur im h√§uslichen Arbeitszimmer erledigen. Gleiches gilt im √úbrigen, wenn sich ein angestellter Handwerker nach Feierabend zu Hause auf die Meisterpr√ľfung vorbereitet.  

Vorläufige Festsetzung wegen verfassungsmäßiger Zweifel

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat daher in seiner Pressemitteilung vom 17. September 2009 Zweifel an der Verfassungsm√§√üigkeit der Nichtabziehbarkeit der Kosten f√ľr ein h√§usliches Arbeitszimmer ge√§u√üert. Die Frage liegt nun nicht nur dem BFH sondern auch dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) zur Entscheidung vor. Alle Steuerbescheide, bei denen ein Arbeitszimmer eingetragen wurde, tragen daher zuk√ľnftig einen "Vorl√§ufigkeitsvermerk". Das hei√üt, dass diese ‚Äď wie bei der Pendlerpauschale ‚Äď  neu berechnet werden m√ľssen, wenn das Verfassungsgericht entsprechend entscheidet. Den einzelnen Betroffenen wird in den vorl√§ufigen Bescheiden zugesichert, dass das Finanzamt neue Berechnungen und Bescheide erlassen wird, sollte das BVerfG die jetzige Gesetzeslage hinsichtlich der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers f√ľr verfassungswidrig erkl√§ren. Sofern eine entsprechende Zusicherung im vorl√§ufigen Bescheid vorliegt, ist es nicht erforderlich, den Widerspruch gegen die Festsetzung aufrechtzuerhalten.  

Freibetrag in H√∂he von 1.250,- ‚ā¨ wird akzeptiert

Dar√ľber hinaus hat das Bundesfinanzministerium (BMF) aufgrund der h√∂chstrichterlichen Zweifel an der Verfassungsm√§√üigkeit der Nichtabsetzbarkeit des h√§uslichen Arbeitszimmer mit Schreiben vom 6. Oktober 2009 (IV A 3 - S 0623/09/10001) die Finanz√§mter angewiesen, einen Freibetrag in H√∂he von 1.250,- ‚ā¨ auf Antrag des Steuerpflichtigen zu akzeptieren. Der Steuerpflichtige kommt dann direkt in den Genuss der Steuerminderung, tr√§gt allerdings das Risiko einer zu verzinsenden Nachzahlung, wenn die Regelung nach der Entscheidung des BVerfG bestehen bleibt. Dieses Risiko ist jedoch angesichts der weit verbreiteten Zweifel an der Verfassungsm√§√üigkeit sehr gering. 

Ausnahmen vom Abzugsverbot

Vom Abzugsverbot nicht erfasst ist der Fall, dass das Arbeitszimmer nicht in das h√§usliche Umfeld eingebunden ist. Die Kosten f√ľr R√§umlichkeiten, die zwar in der N√§he der Wohnung liegen, aber ihrer Lage nach nicht in das h√§usliche Umfeld eingebunden sind, sind somit in voller H√∂he abziehbar. In Betracht kommt dies f√ľr ein Arbeitszimmer in einem benachbarten oder gar in einem entfernten Geb√§ude oder f√ľr eine in einem Mehrfamilienhaus zus√§tzlich zur Privatwohnung angemietete weitere Wohnung, die insgesamt beruflich/betrieblich genutzt wird, weil der innere Bezug zur ersten Wohnung fehlt. 

√úberdies kommt ein Vollabzug f√ľr Aufwendungen f√ľr R√§umlichkeiten, die der typischen funktionalen Bestimmung eines h√§uslichen Arbeitszimmers nicht entsprechen, in Betracht. Dies gilt beispielsweise dann, wenn der beruflich genutzte Raum die T√∂pferei eines Keramikers, eine Schneiderei oder eine an die Wohnung angrenzende Backstube ist. Auch die Kosten f√ľr Lager- und Ausstellungsr√§ume sollen danach voll abziehbar sein. Ausschlaggebend ist insofern ein gewisser Publikumsverkehr.