Welterbe will Farbe bekennen

Arbeitskreis Farbe entwickelt Farbkonzepte fĂĽr das Welterbe Oberes Mittelrheintal

Farbig und nicht bunt soll es sein – das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Das hat sich der Arbeitskreis Farbe für das Welterbe als Leitsatz auf die Fahnen geschrieben. Die Identität des Welterbes wird durch Farbe entscheidend geprägt. Farbe und Bauen sind untrennbar miteinander verbunden. Farbe kann vieles bewirken. Falsche Farbgebung kann nicht nur ein Gebäude seines Charakters berauben, sondern auch die Harmonie innerhalb der Straßenzüge und Plätze beeinträchtigen, sogar das gesamte Ortsbild empfindlich stören.

Wer mit offenen Augen das Obere Mittelrheintal bereist, wird schnell erkennen, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Viele Häuser im Welterbe sind „farblos“ – andere schreiend bunt. „Schminke“ fürs Haus ist hier angesagt. Deswegen ist es wichtig, dies zum Thema zu machen und stimmige Farbkonzepte für den Kulturraum Welterbe zu entwickeln.

Zu diesem Zweck haben sich die richtigen Experten zusammengefunden. Der Obermeister der Innung Farbe Mittelrhein-Mosel-Eifel, Herr Jürgen Geifes, die Firma Caparol, vertreten durch Herrn Peter Neri und Herr Professor Gerhard Meerwein – ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Farbgestaltung - wollen gemeinsam mit den Initiativen Baukultur für das Welterbe der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Leitlinien für die Farbgestaltung entwickeln.

„Das Welterbe braucht Farbkultur. Wir müssen sensible Konzepte für individuelle bauliche Lösungen entwickeln aber auch den Blick für das Ganze schärfen“, so die Akteure des Arbeitskreises. Der Leitsatz: „Gelungene Architektur bezieht immer den Ort mit ein“ gilt in gleichem Maße für die Farbgestaltung eines Hauses.

Die Historie zeigt hier Wege auf. Die Vielzahl der Kulturdenkmäler im Welterbe Oberes Mittelrheintal muss Orientierung geben. Wichtig ist, den historischen Kontext nicht aus den Augen zu verlieren. Die Farbanalysen der historischen Gebäude aus den verschiedenen Stilepochen sind sozusagen das Fundament für den Farbleitplan. Fein abgestimmte Farben zu finden, die sich dazu harmonisch ergänzen, das ist die Aufgabe des Arbeitskreises.

Daneben gibt es aber noch viele andere Dinge zu beachten. Geben die gewählten Farben dem Welterbe ein freundliches Erscheinungsbild? Welches Image, welche Atmosphäre des Welterbes möchte ich durch die Farbgebung fördern? Lässt das Farbkonzept genügend Raum für die individuellen Vorstellungen der Bauherren? Welche Modeerscheinungen können bedient werden?

„Wir dürfen nicht alles zulassen, was die Farbpaletten hergeben. Wir wollen aber auch keine Langeweile. Wir müssen Farben für das Welterbe finden, die kurzlebige Modetrends überdauern. Farbharmonie ist hier das Stichwort. Für die Farbe gilt das, was für die Architektur gilt - manchmal ist weniger einfach mehr.“

Der Arbeitskreis will Berater sein für Bauherren, Handwerker, Architekten und Stadtplaner. Wir möchten Orientierung geben und hilfreich zur Seite stehen. Eines muss allen klar sein: Im Welterbe geht Vieles - aber eben nicht Alles. Wir stehen in der Verantwortung.

Man hat sich viel vorgenommen, wenn es darum geht, dieses sensible Thema „an die Frau und den Mann zu bringen“. Zu Beginn des nächsten Jahres soll der „Leitfaden Farbkultur“ mit der Farbkarte der „Welterbefarben“ als Ergänzung zu dem im Jahr 2009 veröffentlichten „Leitfaden Baukultur“ erscheinen. Veranstaltungen, die die Bürger in das Thema einführen, werden folgen. Es wird einen „Wettbewerb Farbe“ geben, bei dem Malerfachbetriebe und Bauherren, die die farbliche Gestaltung eines Gebäudes vorbildlich umgesetzt haben, prämiert werden. Auch ist beabsichtigt, das Projekt als Lerninhalt in die Schulen zu tragen.

Zunächst gilt aber das, was der Arbeitskreis sich selbst als Motto mit auf den Weg gegeben hat: „Farbe kann richtig oder falsch sein - und wir wollen das beweisen“. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein.