B├Ącker-Innung m├Âchten Fl├╝chtlingen in Ausbildung helfen

Super in der Praxis, aber Prüfungen scheitern oft an deutscher Schriftsprache

 Bäcker-Innung Rhein-Mosel-Eifel möchte Flüchtlingen in Ausbildung helfen

 

Kernige Themen „verbackten“ die Mitglieder der Bäcker-Innung Rhein-Mosel-Eifel zu einem informativen Neujahrsempfang im Servicehaus Handwerk. Deutlich wurde: Ob zu wenig Deutschunterricht für die Flüchtlinge in Ausbildung, Coffee to go im kundeneigenen Becher, Chancen und Fluch der Digitalisierung, neueste Lerninhalte für Lehrlinge oder die frisch gebackene Verpackungsverordnung - die Anforderungen an den Meisterbäcker sind hoch und im ständigen Wandel begriffen. Bei allen Fragen rund um das Neueste mit dabei: die Bäcker an Rhein und Mosel.

 Was den Berufsnachwuchs anbelangt, dominierten zwei Themen die Diskussion des Innungsteams rund um Obermeister Frank Klein. Bäcker- und Konditormeister Joachim Schäfer, Ausbilder vom Fachbereich Ernährung und Gesundheit der Handwerkskammer Koblenz, berichtete über die derzeit stattfindende inhaltliche Überarbeitung der überbetrieblichen Lehrgänge. Denn die jungen Leute, angehende Bäcker wie Bäckereifachverkäufer, lernen nicht nur im Ausbildungsbetrieb sowie in der Berufsschule. Auch in der Handwerkskammer finden ergänzende Lehrgänge statt. Ziel ist es, diese so zu optimieren, dass der Berufsnachwuchs auf sich verändernde Kundenwünsche bestmöglich eingehen kann. So werden etwa heutzutage vermehrt Mittagssnacks angefragt. Es gibt Ernährungstrends und wachsendes Wissen rund um Allergene.

 Der zweite Diskussionspunkt rund um den Berufsnachwuchs drehte sich um die Flüchtlinge. Hier berichteten Innungsmitglieder von sehr positiven Erfahrungen in der Praxis. „Wir haben super Praktiker, die bei uns lernen, aber mit der Schriftsprache hapert es.“ Die Prüfungsfragen im Rahmen der Gesellenprüfung seien für viele einfach nicht zu verstehen – jammerschade, wenn daran der erfolgreiche Berufsabschluss scheitert. Hier wünschen sich die Bäckermeister mehr Angebote zum Deutschlernen seitens der Institutionen und Behörden. Angebote, die finanziell und zeitlich realistisch umzusetzen sind, auch nach einem anstrengenden Arbeitsalltag als Azubi. Denkbar wären nach Meinung vieler Innungsmitglieder etwa auch Zeitzugaben für das Lösen der Aufgaben. Darüber hinaus wünschenswert, so eine weitere Idee: ein geringer wertiger Berufsabschluss, der auch ohne Bestehen der schriftlichen Prüfung erreicht werden kann und das Bleiberecht mit sich bringt. Kurz: Zu wenig an die Hand genommen fühlen sich die Bäckermeister, jeder muss um eigene Lösungen für seinen Azubi ringen. Das frustriert: „Hier wird das Handwerk von der Politik im Stich gelassen.“

 Dass „der Staat dem Handwerk zu wenig Brücken baut, um den Betrieb einmal erfolgreich an einen Nachfolger weitergeben zu können“, prangerte auch Bezirksobermeister Christian Bauer an. Vor allem stets neue, immer zeitintensiver werdende lästige Auflagen machen ihm und seinen Kollegen das Leben schwer.

 In einigen Punkten Hilfeleistung bieten konnte hier Alexander Zeitler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein. Er informierte rund um die Hygieneschulung sowie das neue Verpackungsgesetz und wie es im eigenen Betrieb am besten und einfachsten zu handhaben ist.   

 Weiter schilderte er Neuerungen in puncto „digitale Backstube“: vom bargeldlosen Zahlen in der Zukunft über digitale Prozessoptimierungen bis zur digitalen Finanzierungsplattform, die das Einholen von Vergleichangeboten bei Kreditanfragen erleichtert. Auch berichtete er vom Becher-Bonus, der im Mai in Rheinland-Pfalz auf freiwilliger Basis  etabliert werden soll. Das bedeutet: Ab da wird es dem Kunden offiziell möglich sein, einen mitgebrachten, eigenen Becher mit Kaffee auffüllen zu lassen anstatt zum Einwegbecher zu greifen – das schont die Umwelt.  

  Zum Schluss der Veranstaltung gab es noch die Aussicht auf ein besonderes Highlight in Planung: Für die positive Darstellung des Berufes nach außen möchte die HwK Koblenz gemeinsam mit den Innungsbäckern ein Event auf die Beine stellen, das sommerliche „Brot und Bäckerspektakel“. Es informierte Joachim Schäfer. Auf dem Gelände des Zentrums für Ernährung und Gesundheit werden Besucher an zahlreichen Ständen die Gelegenheit erhalten, Events rund ums Brot zu erleben - Brotbacken, Verkostungen, Backwettbewerbe und vieles mehr inklusive.      

 

   


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