Bei Normentwicklung mitarbeiten: Handwerksmeister wei├č, was funktioniert

Bei Normentwicklung mitarbeiten: Handwerksmeister weiß, was funktioniert

Jahreshauptversammlung der Innung Farbe Gestaltung Bautenschutz Mittelrhein-Mosel-Eifel

Wie beurteilt der Maler Farbabweichungen korrekt, wie funktionieren Tapezierarbeiten auf Porenbeton? Bis Gesetze entwickelt werden, dauert es oft Jahre. Schneller sind da die Normen. Sie bieten als technische Richtlinien die Grundlage für handwerkliches Tun - schwarz auf weiß und auf dem neuesten Stand der Technik. Dies war eines von vielen Themen auf der Jahreshauptversammlung der Innung Farbe Gestaltung Bautenschutz Mittelrhein-Mosel-Eifel in der Eventlocation Waldörfer Höhe in Ochtendung: Handwerksunternehmen, die Mitglied einer Innung sind, haben nicht nur die Möglichkeit, auf spezielle Normensammlungen – bei den Malern sind es die BFS-Merkblätter -  ihrer Fachverbände zuzugreifen. Mehr noch. Über Innungen, Fachverbände und Bundesverband sind die Wege geebnet, um aktiv an der Normentwicklung mitzuarbeiten.

„Wir Handwerker wissen, was funktioniert und was nicht“, sagt Ulrich Bomm, Obermeister der Innung Farbe Gestaltung Bautenschutz Mittelrhein-Mosel-Eifel. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir die normativen Grundlagen unserer Tätigkeit auch weiterhin selbst festlegen.“ Nur auf diese Weise sei der Verbraucherschutz optimal gewährleistet. Die Abschaffung des Meisterzwanges habe in vielen Gewerken, anders als von der Politik gedacht, zu zahlreichen Problemen insbesondere für die Verbraucher geführt. Reklamationen und vermehrte Gutachtertätigkeit wegen Ausführungsmängeln zeigen dies.

 Anders als in vielen anderen Ländern gelte in Deutschland: Aus den Reihen der Handwerker kommen die Normen, nicht „von oben“, von Politikern am grünen Tisch ersonnen. Dies sei ein Schatz, den es zu bewahren gelte. Normen werden hierzulande in der Regel von Ausschüssen bei DIN, dem Deutschen Institut für Normung, entwickelt. Industrie, Gutachter und Handwerk arbeiten hier zusammen.

 3600 Arbeitsgremien gibt es beim DIN, die in 70 Normenausschüssen nach Fachgebieten organisiert sind. Handwerksunternehmen schicken gern einen Vertreter ihres Fachverbandes, der ihre Interessen im Ausschuss vertritt. Die Normen der Maler, die sogenannten BFS-Merkblätter für die Technischen Richtlinien von Maler- und Lackierarbeiten, werden im Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz (BFS) erarbeitet und regelmäßig im DIN-Anzeiger und dem DIN-Katalog veröffentlicht. „Erhalten lässt sich dies aber nur, wenn Menschen bereit sind, sich aktiv an der Innungsarbeit bzw. der Arbeit der Fachverbände zu beteiligen“, erklärt Ulrich Bomm.

  Wichtig sei, so der Obermeister, insbesondere das Engagement in den Innungen und „dass man sich kennt und untereinander Erfahrungen austauscht.“ Denn: „Nur gemeinsam sind wir stark und können das Handwerk gemeinsam in die Zukunft führen.“

 Dass sich dies lohnt, zeigte einmal mehr die Jahreshauptversammlung, präsentierte sie doch wieder einmal geballtes Wissen einer starken Gemeinschaft. Hochpigmentierte Farbtöne, neueste Farbkonzepte oder die Kunst der Fuge: Wie immer wurde die Versammlung durch eine Ausstellung begleitet, die Innovationen aus der Industrie zeigte. Es gab Servicevorträge, die den Arbeitsalltag erleichtern etwa zu den Themen „Rendite sichern“, „Neue Farbtöne“, „Einsatz von Fugendichtstoffen“ oder „Dekorative Beschichtungen für Balkone, Terrassen, Laubengänge“. Gemeinsames Grillen bei bestem Wetter und in ebensolcher Location mit vielen Fachgesprächen machten die Veranstaltung zu einem gelungenen und unterhaltsamen Event – mit freudiger Erwartung auf die nächste Jahreshauptversammlung.

 

Text: Dinah Schmidt, Fotos: Helmut Weiler


Foto: Archiv