60 Innungen unter die Fittiche genommen

Sechzig Innungen unter die Fittiche genommen

Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler feierlich in Ruhestand verabschiedet

Schon viele Freisprechungen hat das Koblenzer Servicehaus Handwerk gesehen. Jetzt stand eine ganz besondere ins Haus: Karlheinz Gaschler wurde feierlich in den Ruhestand entlassen. Fast vierzig Jahre lang prägte er als Fels in der Brandung, als Hauptgeschäftsführer mit Humor und Feingefühl die Kreishandwerkerschaft (KHS) Mittelrhein. Mit seinem Ausscheiden aus dem Beruf geht eine Ära zu Ende. Wehmut war bei den rund 120 Gästen spürbar. Aber er geht nicht ganz: „Ich lasse zwar das Haupt-, aber nicht das Ehrenamt los“, ließ er seine Meister wissen.

 Als Dienstleister für die Betriebsinhaber hat sich Karlheinz Gaschler stets gesehen: „Wir sind die Hausärzte für die Selbstständigen“. Die Liste dessen, was er in 39 Jahren KHS geleistet hat, ist lang. 2400 Handwerksbetriebe aus 60 Innungen von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmerer hat der Diplom-Volkswirt unter seine Fittiche genommen. Im Jahr 1979 wurde Gaschler zum Geschäftsführer, 1980 zum Hauptgeschäftsführer ernannt. Ob Neubau des Servicehauses in der Hoevelstraße, Gründung des Versorgungswerkes des mittelrheinischen Handwerks, Servicehaus-Erweiterungsbau mit vier Landesfachverbänden, Bildung der Geschäftsstellengemeinschaft mit KHS Rhein-Lahn und KHS Ahrweiler: All dies hat Karlheinz Gaschler maßgeblich mit initiiert und geprägt. Daneben war er bis 2016 Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in Rheinland-Pfalz. Seit 1987 vertrat er im Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit das Handwerk. Um am Sozialgericht Koblenz war er als ehrenamtlicher Richter tätig. Damit sind nur einige wenige Stationen seiner beruflichen Laufbahn genannt.

 Bei so viel Engagement blieben natürlich auch die Ehrungen nicht aus: U.a. mit der Silbernen Ehrennadel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften wurde Gaschler ausgezeichnet. Im Januar diesen Jahres erhielt er die Goldene Ehrennadel der Handwerkskammer Koblenz.

 Und nun der Abschied aus dem Berufsleben. „Wir haben uns in der KHS wohl- und getragen gefühlt“, brachte es Kreishandwerksmeister Marco Kraus auf den Punkt. „ Mir warst du als Mentor stets eine große Hilfe - und ich bin da sicher keine Ausnahme.“

 Auch Diplom-Ingenieur Detlef Börner, Vorsitzender Kreishandwerksmeister, fand herzliche Worte: „Du warst immer emsig und fleißig, hast immer gut motivieren können, warst stets ansprechbar, unabhängig von Pausenzeiten, konntest den Kern einer Aussage auch bei komplizierten Sachverhalten gut bündeln – und du hast mit einem Augenzwinkern für das `mittelrheinische Handwerksrecht` plädiert, wenn es kompliziert wurde.“

 Josef Oster, Mitglied des deutschen Bundestages, dankte für das Geleistete und lobte Karlheinz Gaschlers „Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Qualität – dafür steht das Handwerk und auch Sie verkörpern dies.“ Besonders schätzte er das „offene Wort an die Politik, wenn Kritik angesagt war.“ Denn die Interessen des Handwerks hier mit Nachdruck zu vertreten, haben sich Innungen und Fachverbände auf die Fahnen geschrieben.

 „Sie sind für mich das Handwerk in Koblenz“, so brachte es Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der Koblenzer Handwerkskammer, auf den Punkt. „Auf ein so gut geführtes Haus wie Ihres können Sie stolz sein.“ An der Schnittstelle zwischen Handwerksinteressen, Politik und Kommunen habe Gaschler mit Feingefühl agiert und unterschiedlichste Charaktere unter einen Hut bekommen können.

 Eine weitere Festrede hielt Helmut Weiler, Nachfolger von Karlheinz Gaschler. Der 58-jährige Diplom-Betriebswirt ist vom Geschäftsführer zum Hauptgeschäftsführer aufgestiegen. Er ist bereits seit 27 Jahren bei der KHS tätig, kümmert sich ums Finanzielle und berät schwerpunktmäßig die Mitglieder der Innungen in Sachen Tarif- und Arbeitsrecht. Gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern Alexander Zeitler und Ulf Hoffmann sowie dem Vorstandsteam ist die neue KHS-Führungsmannschaft entstanden. Auch Helmut Weiler würdigte den langjährigen Weggefährten als „ganz besonderen Chef - mit Weitblick und Verständnis für alle Belange“, als einen Mann, der sich stets nach Kräften für seine Aufgabe eingesetzt hat.

 „Ja, meine Frau hat damals mich und meinen Beruf zeitgleich geheiratet“, bekannte Karlheinz Gaschler denn auch augenzwinkernd. In seiner Abschiedsrede ließ er noch einmal das anklingen, was „seine“ Branche, das Handwerk, so besonders macht: die nonverbale Kommunikation in den Werkstätten, die Unmöglichkeit, handwerkliches Tun in Worte zu fassen, der Stolz, etwas Ehrliches, Sichtbares schaffen zu können, der Fachkräftemangel, das Hochhalten des Ehrenamtes und der derzeitige Wandel durch die Digitalisierung.

 Die Innungen durch diese bewegte See zu schippern, wird nun die Aufgabe des neuen Führungsteams sein. Gern gab Karlheinz Gaschler das Staffelholz an Helmut Weiler weiter. 


Foto: Michael Jordan