Obermeistertagung Rhein-Lahn: Johannes Lauer wiedergew├Ąhlt

Handwerk in der Region setzt auch auf Migranten

Frühjahrstagung Kreishandwerksmeister Johannes Lauer und nahezu der gesamte Vorstand werden im Amt bestätigt

Zur Frühjahrstagung im Nastätter Hotel Oranien begrüßte Kreishandwerksmeister Johannes Lauer neben den Delegierten aller Innungen auch zahlreiche prominente Gäste. „Gottseidank gibt es noch Nachfolger in den Innungsvorständen“, sagte Staatssekretär Günter Kern. In Bezug auf Breitbandversorgung sei der Rhein-Lahn-Kreis „Paradebeispiel und Pilotprojekt“ mit Unterstützung von Bund und Land. Kein Verständnis zeigte Kern für die Verzögerungen bei der Planung der Mittelrheinbrücke. Ohne den Rhein-Hunsrück-Kreis hätte das Raumordnungsverfahren schon im Januar starten können, bemerkte Landrat Frank Puchtler dazu. Heimisches Handwerk und Kreisverwaltung haben gemeinsame Ziele, und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises greife des Öfteren helfend ein. Die Rheinbrücke nannte Puchtler „existenziell für unseren Kreis“.

In seinem Bericht blickte Lauer auf den November 2011 zurück, als er sein „nicht immer leichtes, doch auch sehr schönes Amt“ übernommen hatte. In den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellte er drei Begriffe, zuerst die „Persönliche Wertschätzung im Handwerk“. Hier geißelte er den „Akademisierungswahn“ und die wiederholten Angriffe auf die bewährte deutsche Handwerksordnung. Ein positives Beispiel gebe der alljährliche „Runde Tisch“ des Handwerks mit dem Landrat. „Persönliche Integrität“ war der zweite Begriff: Das deutsche Handwerk stehe für bürgerliche und zivile Ideale im Wandel der Zeit, für die Verantwortung des Meisters gegenüber Kunden wie Mitarbeitern und für Respekt gegenüber den Mitbewerbern. Eng damit verbunden sei der dritte Begriff „Persönliche Zufriedenheit und Lebensfreunde“. Dazu gehören ein kollegiales Miteinander, menschliche wie fachliche Weiterbildung und Zufriedenheit am Ende eines Arbeitstages. Als bestes Beispiel nannte Lauer den 90-jährigen Kauber Ehrenkreishandwerksmeister Walter Bubinger.

Ausführlich ging Präsident Kurt Krautscheid von der Handwerkskammer Koblenz auf das Gerangel um die Rheinbrücke ein, bei dem sich Landrat Dr. Böhr „unmöglich“ verhalte. Das Land habe sich mit den zugesagten 80 Prozent Kostenbeteiligung „weit aus dem Fenster gelehnt“. Bezüglich der Berufswünsche der Jugend mahnte Krautscheid, das Lebensglück habe nichts mit Abi und Studium zu tun: „Wir brauchen Meister, keine Master!“ Er nannte ein Praktikum „für beide Seiten wichtig“ und betonte, Migranten seien im Handwerk willkommen.

In einer lebhaften Aussprache nannte man die Projekte „JUWEL“, einen „Betriebshelferbrief“ und „Helfer im Handwerk“ als denkbare Lösungen des Nachwuchsproblems. Nach den Wahlen und Ehrungen folgte der Geschäftsbericht von Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler und Geschäftsführer Alexander Zeitler. Zeitler stellte auch die Jahresrechnung 2016 ausführlich vor. Auch der mit 145 500 Euro ausgeglichene Etat fand ohne Aussprache Zustimmung.

 


Foto: Winfried Ott