Sch├╝ler im Betrieb: E-Handwerker ganz vorne mit dabei

Zur Jahreshauptversammlung lud die Innung für Elektro- und Informationstechnik Mayen mit ihren 31 Mitgliedern ins Naturfreundehaus Laachersee ein. Zwei von vielen spannungsgeladenen Themen: Eine innovative Idee der St. Thomas Realschule in Andernach. Sie will junge Leute und Betriebe zusammenbringen. Des Weiteren stand die Aufdeckung der kuriosen Tatsache im Mittelpunkt, dass Azubis auf den von den Betrieben bezahlten überbetrieblichen Lehrgängen der Handwerkskammer von der Bundeswehr abgeworben werden können. Ein, so Obermeister Hans Groh, „Unding“, das nun abgestellt werden soll.

„Wenn wir für unsere Elektrobetriebe neue Mitarbeiter suchen, finden wir einen leer gefegten Markt vor“, so bringt Hans Groh die Sachlage auf den Punkt. Elektroinstallateure seien „kaum zu haben“: „Menschen kurz vor der Rente sind da, die sich noch etwas dazu verdienen müssen, oder junge Leute, die vom Betrieb nicht übernommen wurden.“ Wie fast überall im Handwerk ist das Problem des Mangels an Nachwuchskräften ein sorgenbehaftetes Thema. Als Lösung bleibe nur: Selbst ausbilden. Doch dazu müssen bereits Schüler ins Boot geholt werden. Eine brandneue Aktion der Realschule Plus St. Thomas in Andernach lässt hier aufhorchen. Vorgestellt wurde sie von „Jobfux“ Christoph Obermann. ProAG heißt das neue Projekt, abgekürzt für Praxisbezogene Ausbildungsplatzgarantie.

Die Idee: Für ein Jahr werden die Schüler an einem Tag der Woche freigestellt, um bereits in einem Betrieb zu arbeiten, der zuvor einen Kooperationsvertrag mit der Schule geschlossen hat. Auf diese Weise ist ein gegenseitiges Kennenlernen von möglichem Arbeitgeber und Arbeitnehmer viel intensiver als es das übliche 14-tägige Berufspraktikum leisten kann. Geht alles gut, hat der Schüler nach dem Jahr seinen Ausbildungsplatz in eben diesem Betrieb sicher. Selbstverständlich sind die Mayener E-Handwerker bei dieser Initiative ganz vorne mit dabei.  

Auch die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen ist ein großes Thema in der Handwerksbranche. Rund um die Sachlage hier referierte Matthias Schauer vom E-Fachverband FEHR. Sein Credo: Ein partnerschaftlicher Führungsstil und der Mut, den Mitarbeitern auch verantwortungsvolle Aufgaben zu übertragen, trägt maßgeblich zum guten Klima und zur Motivation bei.

Kurioses wusste Obermeister Hans Groh rund um die überbetrieblichen Lehrgänge der HwK zu berichten. Diese Lehrgänge gehören zum Pflichtprogramm der Azubis, müssen belegt und größtenteils vom ausbildenden Betrieb bezahlt werden. „Nun ist es allerdings so, dass im Rahmen dieser von uns bezahlten Ausbildungszeit die Bundeswehr seit Jahren ihre Berufswerbung durchführen darf. Das heißt: Wir schicken unsere mühsam gesuchten Lehrlinge in die überbetriebliche Ausbildung und müssen damit rechnen, dass sie dort abgeworben werden – der Klopper!“, findet der Obermeister. Ein Gespräch mit Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der HwK Koblenz, habe bereits Früchte getragen. Offenbar habe sich in der Vergangenheit „etwas verselbstständigt, was nun aber sicher unterbunden werde.“ Viele weitere Punkte sprach Groh in seinem Bericht an, zum Beispiel Möglichkeiten zur Weiterbildung. 

Schließlich galt es, die Jahresrechnung und den Haushaltplan 2016 zu erläutern. Dies übernahm Helmut Weiler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein. Beides wurde von den Innungsmitgliedern einstimmig abgenommen bzw. beschlossen.


Foto: Archiv