Generationskonflikte kosten Betriebe Energie

Die Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshaften hielt fest, ein bewusst vermittelndes Eingreifen hilft, Missverständnisse und Konflikte zwischen einer älteren und einer jüngeren Generation zu vermeiden, „die in einer gewissen Weise anders tickt als die ältere". Solche Missverständnisse „nehmen Unternehmen die Energie, die nötig ist, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten".
Jutta Rump war sich keineswegs zu schade dafür, immer wieder sich selbst und ihren Arbeitsalltag zu nutzen, um die Kerninhalte ihres Vortrags anhand von Beispielen zu verdeutlichen. Das hatte den Riesenvorteil, dass das Gesagte nicht  nur unterhaltsam und humorvoll präsentiert wurde. Nein, es fiel den mehr als 100 Zuhörern im Saal leicht nachzuvollziehen, was sich hinter wissenschaftlich-abstrakten Begriffen wie „Multioptionalität", „horizontale Karriere" oder „inter­generative Konflikte" verbirgt.
Einmal im Jahr lädt das Wirtschaftsforum (Wifo Cochem-Zell, gegründet 2002, anerkannte Fachleute dazu ein, beim Empfang der Wirtschaft aktuelle Themen aus der Arbeits- und Berufswelt zu erörtern.
 
Das ist schon seit 2005 so, wie der Zeller Unternehmer Jürgen Wirtz, der zu den Hauptakteuren des Wifos zählt, zu Beginn des Abends ausführte. Da das Wifo kein Verein ist, verfügt es weder über einen Vorstand noch über Mitgliedsbeiträge. Es besteht aus Wirtschaftsleuten, die einfach machen. Doch daher habe man auch „leider kein Geld". Deshalb helfen verschiedene Kooperationspartner mit, dass stets aufs Neue ein Empfang der Cochem-Zeller Wirtschaft zustande kommt: Kreis, IHK, HwK, Kreishandwerkerschaft, regionale Banken und Winzer. Auch dank ihres Engagements gelingt es, kompetente Referenten ins Cochem-Zeller Land zu locken.
 
Dieses Mal eben Jutta Rump, die an der Hochschule Ludwigshafen Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (Schwerpunkt: Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung) lehrt. Sie, geboren 1966, ist bekennendes Mitglied der Generation Babyboomer, also jener geburtenstarken Jahrgänge, die zwischen Mitte/Ende 50er- und Mitte/Ende der 60er-Jahre zur Welt kamen.
Hauptmerkmale dieser Generation, so Rump: ein hohes Maß an Disziplin, Durchhaltevermögen, Fleiß und Pflichtbewusstsein, eine ausgeprägte Bereitschaft, Hierarchien zu akzeptieren („Wenn mein Vater mir als Kind etwas gesagt hat, war das Gesetz"), der Glaube an eine vertikale Karriere („Eine gute Karriere hat man hingelegt, wenn man oben angekommen ist, wo auch immer dieses Oben ist"), eine späte Individualisierung (In der Schule hat man sich nicht nur so verhalten wie die anderen, man hat „auch noch gleich ausgesehen"). In der Arbeitswelt sieht sich diese Generation nun mit der Generation Y konfrontiert, geboren zwischen circa 1985 und dem Jahr 2000. Hauptmerkmale dieser Generation: aufgewachsen „in einer Welt der Multioptionalität", also der Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten, mithin eher sprunghaft; besitzt eine ausgeprägte Entscheidungsfähigkeit und Revidierbar-keitskompetenz; hat ein demokratisches Führungsverständnis (will an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, Entscheidungen erklärt bekommen); oft erzogen in einem Laisser-faire-Stil; besitzt eine enorm „hohe Leistungsorientierung, aber nur, solange es Spaß macht, eine Perspektive bietet und als sinnvoll erscheint", ist sozial weit vernetzt.
Zwischen diesen beiden Generationen liegt die Generation X (die Jahrgänge von circa 1970 bis 1985), von der selbst die Wissenschaft nicht so recht weiß, wo sie einzusortieren ist. „Suchen Sie sich etwas aus", legt Rump den Vertretern dieser Generation, die sich unter den Zuhörern befinden, ans Herz.
Doch zurück zur Generation Y. Die weiß sehr genau, dass sie „das knappe Gut auf dem Arbeitsmarkt ist" und dass sie zwischen einer Vielzahl von Joboptionen wählen kann. Für sie ist „Work-Life-Balance" kein „bloßer Modebegriff mehr", sie „wird zunehmend zu einem Lebensmuster". Heißt: Diese Generation sucht Stabilität in Fa­milie, Partnerschaft, Freundschaft. Sie ist zwar dazu bereit, auch in ihrer Freizeit zu arbeiten, verlangt im Gegenzug jedoch, im Job auch etwas Privates erledigen zu dürfen.
Wozu es führen kann, wenn Babyboomer und Generation Y aufeinandertreffen? Rump hat es vor circa zwei Jahren am eigenen Leib erfahren, als sie ein Bewerbungsgespräch mit einem Mittzwanziger führte: Nach dem Grad der Flexibilität von Arbeitszeit und -ort hat er sich schon erkundigt, da packt der junge Mann eine Liste aus, auf der er im Dialog mit Rump diverse Punkte nacheinander abhakt. Er fragt nach Rumps Führungsstil, danach, wie sie den Zusammenhang zwischen Führungsstil und Arbeitsklima beurteilen würde. Am Ende des Gesprächs verlässt der „Y-er" die perplexe Babyboomerin mit den Worten: „Frau Rump, Sie kommen in die engere Auswahl.“
Der junge Mann fing tatsächlich an, für Rump zu arbeiten. Das hatte unter anderem zur Folge, dass Rump auch ihren älteren Mitarbeitern flexiblere Arbeitsmöglichkeiten einräumen musste, allerdings nicht ohne gewisse Leitplanken einzuziehen („Innerhalb dieser Leitplanken finde ich für alles eine Lösung“). Der Verlauf des Vorstellungsgesprächs hatte sich über soziale Medien in Windeseile verbreitet. Rump betont: „Ich kann keine schöne neue Arbeitswelt für Jüngere gestalten, wenn ich die Älteren und Mittelalten nicht mit ins Boot hole.“
 

Foto: Daniel Ditzer/RZ Cochem-Zell