Sich auf die Bedeutung der Bilder besinnen

Warmes Licht in kaltem Gemäuer, Schneelandschaften oder Vorfreude, die sich in den Augen spiegelt: Weihnachten ist Bilderzeit. Dabei wurde noch nie so viel fotografiert wie heute. Was denkt ein Profi darüber? „Schön wäre, wenn den Menschen bewusst würde, welche Bedeutung ein gutes Foto hat“, sagt Michael Jordan, Obermeister der Fotografeninnung Mittelrhein, angesichts der üblichen digitalen Bilderflut. Er regt an, innezuhalten und sich Gedanken zu machen über den großen Wert von Erinnerungen.

 „Ein Bild kann etwas ganz Besonderes leisten“, ist Jordan überzeugt: Fotografieren habe etwas mit Festhalten zu tun. Mit Archivieren. Denn panta rhei, alles fließt. Das wussten schon die alten Griechen. Ein Bild dagegen halte die Zeit an. Ein Moment wird herausgefischt und für die Nachwelt in einen Rahmen gefasst: „Jetzt zeigt sich die Qualität. Ist es nur noch einen flüchtigen Blick wert, weil es nicht gelungen ist, Wesentliches einzufangen oder setzt es sich fest?“ Je nach Intention könne ein treffendes Bild unterschiedlichste Gedanken und Emotionen wecken, zum Beispiel ins Schatzkästchen der Familienerinnerungen wandern und ein positives Selbstbild prägen. Oder es „öffnet die Augen“ und hallt noch lange als bewegender Aufruf in der Seele des Betrachters nach.

 „Dieses Wissen um die Macht von Bildern geht heute leider gern mal unter“, bedauert Michael Jordan. Denn noch nie gab es dank Smartphone und Co. eine solche Fotoflut. Dabei sei es ähnlich wie bei einem Restaurantbesuch: „Natürlich kann ich die Fast-Food-Kette wählen, das kann lecker sein und man wird satt. Und oft reicht das auch aus. Aber für besondere Momente mit hohem Erinnerungswert ist das frisch zubereitete Essen vom ausgebildeten Sternekoch eben doch der Genuss der Wahl.“ Wer sich die hohe Kunst des guten Fotografierens nicht selbst zutraue, könne den Fachmann aufsuchen. „Wir sind natürlich gerne Ansprechpartner für alle, die sich rund ums Fest etwas Besonderes gönnen möchten oder auf der Suche nach einem individuellen Geschenk sind“, so Jordan stellvertretend für alle Meister seiner Zunft.

 Eines von vielen Geheimnissen des Fachmanns: „Es müssen alle Eindrücke auf den visuellen Kanal reduziert werden. Die verschiedenen Sinnesreize sollen aber trotzdem noch rübergebracht werden und quasi beim Anblick des Bildes wieder explodieren.“

 Hier einen Eyecatcher zu schaffen, werde angesichts der heutigen Fotofülle schwieriger. Die Lösung könne aber nicht das immer Extremere, immer Ausgefallenere sein. „Durch mehr und mehr Gewürze bekomme ich kein besseres Gericht“, so Jordan. Beim Bild sei das ähnlich. „Letztlich zählt die Qualität.“ Egal, um welches Thema es gehe: „Wer sich ein Foto anschaut, sollte sich am Ende nur eines wünschen - beim Betrachten des festgehaltenen Augenblicks verweilen zu wollen.“

Foto: Archiv