Helfen, wenn der Schuh dr├╝ckt

Verändertes Berufsbild: Unternehmer der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz informierten sich über neue Ausbildungsverordnung

Sie sorgen für den gesunden Auftritt: Orthopädieschuhmacher braucht das Land. Wie die Ausbildung nun dank gründlich überarbeiteter Ausbildungsordnung auf den neuesten Stand des Wissens gebracht wurde, darüber informierten sich zahlreiche Handwerksunternehmer der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz. Sie trafen sich zur traditionellen Herbstversammlung im Koblenzer Servicehaus Handwerk. Moderiert wurde die Veranstaltung von Karl-Heinz Weber, Obermeister der Innung, und Karlheinz Gaschler, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KH) Mittelrhein.

 Dabei war der Vortrag zur Ausbildung nur ein Punkt von vielen aus dem Service-Paket der KH. Sie verwaltet die Innungen und unterstützt die Unternehmer in rechtlichen wie wirtschaftlichen Belangen. Darüber hinaus sprach Dr. Charles Mathonet als Facharzt für Orthopädie im Marienkrankenhaus St. Elisabeth Neuwied über neueste Techniken und Erkenntnisse rund um die Fußchirurgie. In einem dritten Vortrag folgten Infos zum Thema Betriebsnachfolge. Hier gab Daniela Becker-Keip, seit 16 Jahren Betriebsberaterin bei der Handwerkskammer Koblenz, den Unternehmern einen wichtigen roten Faden in die Hand: Er soll durch den Dschungel zahlreicher Möglichkeiten führen mit dem Ziel, die Unternehmensnachfolge Schritt für Schritt aufzubauen.

 Nach Hochrechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn steht bis zum Jahr 2018 in jährlich 27 000 Familienunternehmen der Generationswechsel an, so Becker-Kneip. In 17 Prozent der Fälle werde das Unternehmen nicht an die Kinder (54 Prozent) oder an Fremde (29 Prozent), sondern an Mitarbeiter übertragen – Tendenz steigend. Wie auch immer sich der Unternehmer entscheide: Die Berater der HWK Koblenz helfen weiter.      

 Fesselnde Einblicke in die Kunst des Chirurgen gab Dr. Charles Mathonet. Der Experte rund um den Fuß hat festgestellt, dass etwa 50 Prozent der Bevölkerung an einer Verkürzung der Wadenmuskeln leiden, was durch Stretch-Übungen oder eine Mini-OP behoben werden kann - und erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Fußes hat: „Wir machen den kleinen Schnitt in der Kniekehle bei fast jeder Fuß-OP mit, das sichert unser Ergebnis.“ Der Dialog mit den Ärzten ermöglicht es den Handwerksunternehmern, das Krankheitsbild ihrer Kunden noch umfassender zu sehen.

 Denn der Kundenkreis wird größer, da die Menschen älter werden. Viele kennen das: Hallux valgus, Krallen- und Hammerzehen oder Belastungsschmerzen im Bereich der Mittelfußköpfchen. Dazu kommen Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes oder Arthrose. Die Folge: Das Laufen mit normalem Schuh klappt nicht mehr. Einlagen oder gleich ein orthopädischer Maß-Schuh müssen angefertigt werden. Neueste Technik kommt zum Einsatz, die medizinische Forschung schreitet voran. Fakten, auf die die Bundesregierung reagiert hat: Die Ausbildungsinhalte für Orthopädieschuhmacher wurden überarbeitet. Seit August ist das neue Reglement am Start, um kompetente Nachwuchskräfte, auch für die derzeit 89 Mitgliedsbetriebe der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz, optimal ausbilden zu können – damit der Schuh nicht mehr drückt.  


Foto: Juraschek

v.l.n.r.: Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler (Kreishandwerkerschaft Mittelrhein), Betriebsberaterin Daniela Becker-Keip (Handwerkskammer Koblenz), Lehrlingswart Stefan Egelhof, Hauptgeschäftsführer Oliver Dieckmann (Zentralverband Orthopädie-Schuhtechnik), Dr. Charles Mathonet, Obermeister Karl-Heinz Weber