Es kann nicht jeder H├Ąuptling sein

Mit Ulrike Mohrs, Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen und Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer Koblenz, waren Gastredner mit viel Knowhow geladen. Rund 50 Obermeister und Delegierte kamen ins Servicehaus Handwerk, um sich auszutauschen.

Crux sei, dass nicht jeder Möchte-gern-Häuptling als solcher geeignet sei und in Zukunft mit Bachelorabschluss in der Buchhaltung lande, so Börner. Außerdem: „Die Studienabsolventen können nicht aufgefangen werden, es sind nicht genügend entsprechende Stellen da“. Hinter den hoffnungslos überfüllten Unis stecke eine Gesellschaft, die Nichtgymnasiasten aufgrund der Überbewertung akademischen Wissens unschön suggeriere, durchs Sieb gefallen zu sein und damit ein Image-Problem des Handwerks – eine Folge, so Krautscheid, „verfehlter Schulpolitik“.

Das Handwerk braucht einen Ruf, der ihm gerecht wird. „Wir haben mit unserem dualen System, um das wir europaweit beneidet werden, eine nicht-akademische Ausbildung mit hohem Standard“, betont Börner. Die Handwerkerschaft habe vielseitige anspruchsvolle Berufe zu bieten. Dies gelte es bewusster zu machen.

Denn zukünftig verstärkt sich das Demografie-Problem. Dass von gut 180 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Beritt der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen 57 000 älter als 50 Jahre alt sind, berichtete Ulrike Mohrs. Es gibt mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Schulabgänger ohne Abschluss und Ausbildungs-Abbrecher reduzieren, Frauen und Menschen über 55 Jahren verstärkt für den Arbeitsmarkt gewinnen oder die Arbeitszeit Vollzeitbeschäftigter steigern sind nur einige Punkte, die Mohrs nannte, um den zukünftigen Arbeitsbedarf zu decken. Ganz wichtig: die Flüchtlinge.

Kurt Krautscheid stellt klar: „Wir Handwerker sind da sehr offen, wir würden die Leute gerne schnell in unseren Betrieb holen.“ Vielfach wurde seitens der geladenen Betriebsinhaber der Wunsch geäußert, Menschen mit entsprechenden Fähigkeiten möglichst zeitnah nach ihrer Ankunft im Unternehmen einsetzen zu dürfen. Denn oftmals, bestätigte Ulrike Mohrs, vergehen Monate zermürbender Wartezeit, bis ein Integrationskurs möglich sei. Hier bestehe Handlungsbedarf.

Auf 150 Tage Amtszeit als Präsident der HwK blickt Krautscheid zurück. Er rief noch einmal dazu auf, in Brüssel um den Erhalt der Meisterpflicht zu kämpfen: „Wir müssen am Ball bleiben, auch wenn das Problem momentan vom Tisch zu sein scheint.“ Wichtig ist dem Präsidenten: Transparenz soll großgeschrieben werden in der HwK.

Filialdirektor Uwe Fleck von der Signal Iduna berichtete rund um das neue Projekt „Karriereschutzbrief“ für die Innungsmitglieder, ein Serviceangebot in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Koblenz.

„Wir blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück“, so Detlef Börner. Mittlerweile umfasst die Kreishandwerkerschaft Mittelrhein gemeinsam mit Rhein-Lahn und Ahrweiler 2407 Betriebe. Die Lehrlingszahlen sind um 54 auf 3.641 (31.12.2014) um 1,5% gefallen.

Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler legte die Finanzen mit Jahres- und Vermögensrechnung sowie den Haushaltsplan 2015 vor. Die Mitglieder der Delegiertenversammlung erteilten dem Vorstand die Entlastung für das abgelaufene Haushaltsjahr und stimmten für den Etat 2015.

Schließlich gab es für besonders verdiente Innungs-Aktive noch eine Auszeichnung: Mit der „Ehrennadel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften“ geehrt wurden die Obermeister Paul-Friedrich Blum, Paul Neiß, Gregor Orth und Frank Klein.

 


Foto: Jordan

v.l.n.r.:

Vorsitzende der Geschäftsführung Ulrike Mohrs (Agentur für Arbeit Koblenz), Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler (Kreishandwerkerschaft), Kreishandwerksmeister und Obermeister Gregor Orth, Obermeister Paul-Friedrich Blum, Vors. Kreishandwerksmeister Dipl.-Ing. Detlef Börner, Obermeister Paul Neiß, Filialdirektor Uwe Fleck (SIGNAL IDUNA Versicherungen), Obermeister Frank Klein, Hwk-Präsident Kurt Krautscheid