Schreiner-Innung Koblenz begr├╝├čt neue Gesellen

Die Gesellenstücke konnten dank Bildmaterial gleich von allen Gästen bewundert werden: ein zarter Schreibtisch aus indischem Apfel, auch Tineo genannt, ein fantasievoll gestaltetes Schachtischchen oder ein kunstvoll gefertigter, asymmetrischer Nachttisch. Kein Zweifel, die sieben jungen Schreiner haben ganze Arbeit geleistet. Jetzt konnten sie im Rahmen der feierlichen Freisprechung in die Profiliga aufrücken, verloren den Azubi-Status und wurden offiziell aufgenommen in die Runde der Schreinergesellen. Einen würdigen Rahmen fand die Festlichkeit der Schreiner-Innung Koblenz-Rhein-Mosel im neuen Druckhaus des Mittelrhein-Verlages.

 Dass man einen Stoff erst dann im wahrsten Sinne des Wortes richtig „begreift“, wenn man sich seiner nicht nur mit Kopf und Herz, sondern auch mit der Hand annimmt, thematisierte Neu-Schreiner Helge Welden in seiner Rede als Gesellensprecher. Ungewöhnlich: Helge Welden hat zunächst auf Lehramt studiert. Dann erst begann er die Lehre. Und er stellt fest, dass er sich „nach der Ausbildung befähigter fühlt als mit allen anderen Zeugnissen, die ich vorher in der Hand hatte.“ Denn der Handwerker lässt nach den Worten auch Taten sprechen. Gerne auch ungewöhnliche.

 Dazu jedenfalls ermunterte Diplom-Designer Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation der Handwerkskammer Koblenz in seiner Rede: „Haben Sie den Mut, Dinge zu tun, die es noch nie gab.“ Entwicklungen im Schreinerhandwerk waren sein Thema. So sei die Sehnsucht nach „dem Echten“, nach Naturmaterialien, ein „Riesentrend“. Soziale Netzwerke gelte es zu nutzen und auszubauen. Und: „Der Kunde möchte eingreifen in Unternehmensprozesse“, zum Beispiel, indem er auf digitalem Wege mitbestimmt, welche Größe und Form ein Werkstück erhalten soll. „Es gefällt mir, dass auch die Gesellen, die wir heute freisprechen, etwas gewagt haben“, so Krause. Ein Lob, das Rolf Hendgen, Obermeister der Schreiner-Innung Koblenz-Rhein-Mosel und Wolfram Lehnen, stellvertrtender Landesinnungsmeister, gerne aufgriffen: „Wir sind alle stolz auf euch! 

 Klar, dass bei so viel Mut zur Innovation auch eine sichtbare Anerkennung anstand: Josef Ruda, der als Prüfungsbester glänzen konnte, erhielt die Auszeichnung „Die gute Form“ und kann damit im Rahmen des gleichnamigen Wettbewerbs in die Landesrunde, vielleicht sogar in die Bundesebene aufsteigen. Mehr noch. Für die beiden Besten gab es weiterhin den Ehrenpreis der Portner-Stiftung. Neben Josef Ruda konnte sich Niklas Buss über die Auszeichnung freuen 

 „Ich wollte ein Möbel entwerfen, das in einem kleinen PKW leicht transportierbar ist“, erklärt Josef Ruda die Idee rund um sein exzellentes Gesellenstück. Der rötlich-braun schimmernde Tineo-Schreibtisch wirkt mit seinen unten und oben aus der Platte herausragenden Beinen wie gespiegelt. Mit verschiedenen Materialien hat Ruda experimentiert, bevor er beim indischen Apfel blieb. Die Stangen aus Edelstahl machen den Hingucker rund. Liebe zum Werkstoff Holz und Talent für individuelle Gestaltung wird hier sichtbar, das sollte weiter ausgebaut werden. Allen Gesellen empfahl Rainer Probst, Leiter der Koblenzer Berufsschule Technik, die Meister-Ausbildung 

 Nach offizieller Freisprechung, Sektempfang und Imbiss ging der Abend, organisiert von der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein, mit einer Führung durchs RZ-Druckhaus weiter. Hier, inmitten des technischen Herzens der Rhein-Zeitung, konnte bestaunt werden, mit welch rasanter Geschwindigkeit die neueste Zeitungsausgabe gedruckt und mittels gelber Klammertransporteur-Straßen von knapp einem Kilometer Länge weiterverarbeitet wird – eine erlebnisreiche Freisprechung mit dem besonderen Extra.