Zimmerer wollen hoch hinaus

In traditioneller Zimmermannskleidung, mit schwarzen Hosen und weißen Hemden, erschienen die Berufsneulinge, um im feierlichen Rahmen ihre Abschlusszeugnisse entgegenzunehmen – ein schönes Bild. Begleitet wurden sie dabei von ihren Familien, Freunden und Ausbildern.

Wie üblich übernahm die Kreishandwerkerschaft Mittelrhein als Dachverband der 55 hiesigen Innungen die Organisation der Feierstunde, mit der die dreijährige Ausbildung der jungen Leute ihr Ende fand. Im Bau hoch hinaus wollen die Zimmerer: Mit ihrem Gesellenbrief haben sie nun die besten Voraussetzungen dafür. „Das Gesellenstück, ein Teil eines Daches, passte allerdings leider nicht durch die Tür“, lachte Prüfungsvorsitzender Wolfgang Fuchs, der das Können seiner Prüflinge gerne auch praktisch demonstriert hätte.

Viel muss ein Zimmerer „auf der Pfanne“ haben. Holzkonstruktionen und Holzbauten aller Art sind sein Metier. „Sie haben drei Jahre gezeichnet, gemessen, gesägt und geschwitzt und dabei gelernt, den inneren Schweinehund zu überwinden“, brachte es Rudolf Müller, Leiter des Bauzentrums der HwK, auf den Punkt. „Ab jetzt gehören Sie zu den Profis.“ Ausdrücklich dankte er den Eltern und Ausbildungsbetrieben, die den Lehrlingen unermüdlich den Rücken stärkten. „Haben Sie stets den Mut zur Veränderung!“, gab er den Junggesellen mit auf den Weg.

Auch Helmut Weiler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein, freute sich mit den jungen Zimmerern: „Die letzten drei Jahre waren sicher nicht immer einfach. Es galt, einige Stunden, in denen man nicht mehr wollte, zu überwinden. Aber jetzt haben Sie es geschafft.“ Ein würdiger Grund zum Feiern. Passend dazu zitierte er aus „Auf uns“ von Andreas Bourani: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt. Dass es das Beste für uns gibt. Ein Hoch auf das, was uns vereint. Auf diese Zeit, auf diese Zeit.“

Gekonnt musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Dudelsackband Rhine Circle Pipes and Drums.

Dass nicht immer das Gymnasium den Königsweg darstellen muss, betonte Axel Berges von der Berufsbildenden Schule Gewerbe und Technik (Neuwied). Stichwort „Nachholen der Mittleren Reife“: Wer Geselle geworden ist, somit das Abschlusszeugnis der Berufsschule in den Händen hält, hat damit einen Bildungsabschluss erreicht, der dem der Sekundarstufe 1 gleichgestellt ist. Voraussetzungen sind: Der Notendurchschnitt muss mindestens bei 3,0 liegen und im „Hauptschulzeugnis“ muss nachgewiesen sein, dass über 5 Jahre hinweg eine Fremdsprache erlernt wurde, wobei die Note hier nicht unter ausreichend liegen darf. Dass viele Wege nach Rom führen, also zu Mittlerer Reife bzw. Fachhochschul- oder Hochschulreife sei noch zu wenigen Eltern bekannt. Hier versuche man, bereits in den Grundschulen entsprechend zu informieren.   

Was er einem Schüler berichten würde, warum es sich lohnt, Zimmerer zu werden? Lars-Ole Hebels Antwort kommt spontan: „Da weiß man, was man gemacht hat. Es ist ein schönes Gefühl, nach mehreren Jahren noch an Häusern und Höfen vorbeizufahren und zu wissen: Das Dach haben wir gemacht, das auch und dieses auch. Außerdem bleibt man in Form. Da braucht man kein Fitness-Studio mehr.“ Zu Hause umsetzen konnte er seine neu erworbenen Fertigkeiten auch schon – ob beim Bettenbau für die Mutter oder beim Hüttenausbau für den Opa.

Moritz Lenz, der mit der Traumnote „sehr gut“ als Bester aus den Prüfungen hervorgehen konnte, ergänzt: „Das Arbeiten mit Holz ist wunderbar vielseitig. Und: Zimmerer ist ein toller Beruf- garantiert mit Zukunft!“

Die Prüfungsbesten sind: Moritz Lenz (Rudolf Liesenfeld, Halsenbach), Lars-Ole Hebel (Andreas Welsch, Baumholder) und Jonas Stein (Holzbau Kappler, Gackenbach).

 


Foto: Juraschek

Die Prüfungsbesten sind: Moritz Lenz (Rudolf Liesenfeld, Halsenbach), Lars-Ole Hebel (Andreas Welsch,
Baumholder) und Jonas Stein (Holzbau Kappler, Gackenbach).