Der Kolping-Gedanke belebt das Handwerk

1813 wurde Adolph Kolping geboren und war zunächst Schuhmachergeselle in Köln. Nach dem Abitur 1841 studierte er und aus seiner Gesellenwanderschaft wurde eine rege Reisetätigkeit bis weit in das Ausland. Ziel seiner Reisetätigkeit war es, seine Idee von den Gesellenvereinen möglichst weit zu verbreiten. Die wandernden Gesellen sollten eine Anlaufstelle in den Gesellenhäusern finden.

Wie ist heute die Lage im Bereich der Lehrlinge und der Gesellen im Handwerk? Dies wurde bei der Zusammen-kunft der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein mit Vertretern des Kolpinghauses Koblenz e.V. erörtert. Die Betriebe finden immer schwieriger geeignete Bewerber, dies stellte Vors. Kreishandwerksmeister Detlef Börner fest. Damit sind neue Handlungsansätze zur Verbesserung der Ausbildungssituation im Handwerk gefragt. Das Ausbildungs-personal, d. h. die Ausbildenden Fachkräfte und die Ausbilder in den Betrieben, wird in Zukunft stärker beim Lernprozess gefordert werden. Mehr und mehr werden die Betriebe eine heterogene Gruppe an Bewerbern vorfinden. Auch gilt es umzudenken bei der einseitigen Sichtweise und Orientierung auf Bewerber mit hohem Potenzial. Es gilt vielmehr, Jugendliche durch spezielle Förderung zu helfen, ihre Potenziale zu entfalten. Heterogenität kann damit ein Handlungsansatz sein, um verstärkt für das Handwerk Bewerber und damit Lehrlinge und Fachkräfte zu erhalten.

Jacqueline Röhm vom Kolpinghaus Koblenz zeigte hier auf, dass der Kolping-Gedanke mit dem betreuten Wohnen eine wichtige Unterstützung für die Ausbildungsbetriebe darstellen kann. Gerade bei Jugendlichen, denen ein geeignetes familiäres Umfeld fehlt, können eine Ausbildung im Handwerk und zugleich das betreute Wohnen in den Kolpinghäusern zu einem neuen Start ins Leben verhelfen. Oft können in den jungen Menschen Kräfte entfaltet werden, die man ursprünglich nicht vermutet hat. Das Kolpinghaus mit seiner pädagogischen und hauswirt-schaftlichen Betreuung gibt jungen Leuten eine stabile Basis, um erfolgreich eine Ausbildung aufzunehmen und auch zu beenden.

Vorsitzender Bruno Gauggel und Vors. Kreishandwerksmeister Detlef Börner waren sich einig, dass dies bei der derzeitigen demografischen Entwicklung für die über 2.000 Handwerksbetriebe im mittelrheinischen Raum mehr an Bedeutung gewinnen dürfte. Börner zeigte sich erfreut, dass im Kolpinghaus Koblenz insgesamt 114 Plätze zur Verfügung gestellt werden können. Durch die Betreuung, den Küchen- und Aufenthaltsraum, Spieleräume und die gute Stube für die jugendlichen Hausgäste kann unter dem Ziel „Jugend und Ausbildung“ deutliche Unterstützung gegeben werden. Das Jubiläumsjahr von Adolph Kolping ist Anlass, die Zusammenarbeit zwischen Kreishand-werkerschaft und Kolpinghaus zu vertiefen, so Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler. Die Heterogenität der Jugendlichen gilt es als Chance für die Fachkräftesicherung zu verstehen und Ausbildung in Vielfalt mit Unterstützung des Kolpinghauses kann erfolgreich sein, um Jugendlichen in belasteten Lebensbereichen ein geeignetes Wohnumfeld zu bieten. Geschäftsführerin Röhm betonte, dass es gute Beispiele aus Hamburg, Schwerin, Berlin, um nur einige zu nennen, gibt.