Handwerk und Schulen kooperieren

In der Ahr-Akademie wurde ein Partnerschaftsprojekt unterschrieben, das die Zusammenarbeit von Schulen und Handwerk intensivieren soll. Dabei wird beispielsweise der Meister in die Klassen kommen, und der Pädagoge wird zum Botschafter für Berufe, die im Laufe einer Schülerkarriere häufig aus dem Blickfeld geraten sind. Die Kreishandwerkerschaft rührt angesichts der demografischen Entwicklung vorsorglich die Werbetrommel.
 
Rund 750 Lehrlinge lernen zurzeit im Kreis Ahrweiler einen Handwerksberuf. Jährlich werden mehr als 250 neue Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt. Derzeit sind noch über 100 offene Stellen im Ahrkreis unbesetzt. „Die Betriebe brauchen motivierten und guten Nachwuchs, um zukunftsfähig zu bleiben“, mahnt Kreishandwerksmeister Frank Wershofen zur Offensive. Die Branche, die im Kreis Ahrweiler rund 95 Berufe zu bieten hat, setzt auf den direkten Kontakt mit den Schulen, um sich bei der Berufsvorbereitung- und -orientierung einzubringen, Praktika zu vermitteln und mit mehr Information falsche Vorstellungen zu korrigieren.
Was vielen Eltern und Schülern beispielsweise nicht bewusst ist: Ein guter Ausbildungsabschluss ist mit einem Realschulabschluss gleichzusetzen.
 
Kreislehrlingswart Rolf Genn freut sich, dass mit der Vereinbarung „Schule - Handwerk“ eine verstärkte Kooperation zwischen Schulen und Betrieben erreicht werden kann. Gemeinsam wolle man junge Menschen für Handwerksberufe begeistern und Nachwuchskräfte für die Betriebe gewinnen. Laut Genn stehen auch für das Jahr 2013 und den Ausbildungsbeginn im August noch genügend Ausbildungsplätze in verschiedenen Handwerken zur Verfügung. „Schule - Handwerk“, so Genn, funktioniert in zwei Richtungen, zum einen, dass das Handwerk in die Schulen kommt oder andersrum, dass die Schulen mit ihren Schulklassen vor Ort Betriebe besichtigen. Beides ist durchaus ein gutes Instrument.
 
Für die Schulleiterinnen und Schulleiter gibt Werner Surges aus Remagen einen Überblick über „Karriere mit Lehre“ und die Kooperationspartnerschaft „Schule - Wirtschaft“. Surges zeigt auf, dass die Gesellschaft einem schnellen Wandel unterliegt, aber nach wie vor Eltern und auch Lehrer der erste Ansprechpartner für die Schüler bei der Berufswahl sind. Gemeinsame Aufgabe ist es, insbesondere für das Handwerk gute und motivierte Kräfte und Köpfe zu erhalten. Vor allem mit dem Praxistag oder Praktikum während der Schulzeit sieht Surges gute Instrumente hier für das Handwerk zu werben.
 
Schulleiter Klaus Dünker führt aus, dass im Kreis Ahrweiler anders als im Landesdurchschnitt nicht wie vor 10 Jahren 30 % der Schüler auf das Gymnasium gehen, sondern die Zahl von 50 % wurde im Kreis Ahrweiler bereits überschritten. Gemeinsam wurde diese Entwicklung diskutiert und auch auf die Fehlentwicklung hingewiesen. Dünker hob ebenfalls die Vorteile eines Praktikums hervor. Karl-Heinz Sundheimer Schulleiter der Realschule plus in Adenau regte dringend an, früher über das Handwerk und die Berufswahl zu informieren. Nicht erst in der 9. Klasse, sondern bereits in der Grundschule sollte den Schülern erste Orientierung für die Berufswahl gegeben werden. Sundheimer hat beobachtet, dass junge Menschen heute kaum noch Eltern erleben, die im Haushalt mit handwerklichem Geschick etwas reparieren, installieren oder tapezieren. Der Bezug dazu ist verloren gegangen. Aus seiner Erfahrung wählen heute rund 30 Prozent seiner Schüler den Weg ins Handwerk.