Lust auf Dienstleistung

Die Stimmung in der Branche ist insgesamt gut: Die meisten Kfz-Betriebe verbuchen eine positive Umsatzentwicklung – vor allem im Werkstattgeschäft. Auch die Ausbildungssituation ist stabil, wie Obermeister Scherhag in seinen Jahresbericht betonte. Für junge Menschen sei das Kfz-Gewerbe nach wie vor attraktiv. Allerdings gelte es, die vielfältigen Berufsmöglichkeiten, die eine High-Tech-Ausbildung im Kfz-Gewerbe eröffne, noch gezielter zu kommunizieren – und insbesondere auch Abiturienten zu werben. Auffällig in diesem Zusammenhang: Die Prüfungsbesten der Innung waren in den vergangenen Jahren jeweils junge Frauen. „Das zeigt uns, wie wichtig es ist, Frauen für unser Handwerk zu begeistern“, bekräftigte Mark Scherhag. „Gerade das Kfz-Handwerk bietet hier Frauen besondere Chancen“.
Gemeinsam mit dem Landesverband baue man Kontakte zu EU-Nachbarländern auf. So sollen beispielsweise junge Lehrlinge aus Spanien gewonnen werden.
Als erfreulich wertete er die Tatsache, dass der Bundeswettbewerb der Branche in diesem Jahr in Koblenz stattfindet. Mitte November treffen bei dem Leistungswettbewerb die bundesweit besten Kfz-Nachwuchskräfte im Technikzentrum der Handwerkskammer aufeinander, um erneut ihr Können unter Beweis zu stellen. „Diese Besten-Show müssen wir nutzen, um für unser Handwerk zu werben“, sagte der Obermeister.
Siegfried Blüml, Mitglied des Prüfungsausschusses, gab einen kurzen Ausblick über die Ausbildungsneuordnung im Kfz-Gewerbe, die zum 1. August 2013 in Kraft treten soll. Wesentliche Änderung: Die seit 2004 mögliche, zweijährige Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker entfällt. Stattdessen soll die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker neu strukturiert werden. Denkbar sei ein neuer Schwerpunkt „Service“. Genaueres ist aber noch nicht entschieden.
Rund um das Thema „Dienstleistung“ drehte sich auch der Impulsvortrag des Servicecoachs Vinzenz Baldus. Seine These: „50 Prozent aller Autohäuser verlieren alle fünf Jahre über 50 Prozent ihrer Kunden. Hauptgrund: schlechte Kundenbetreuung.“ Das Kfz-Gewerbe sei ein sehr enges Segment. „Autohäuser unterscheiden sich weniger durch Produkte, als durch Menschen“, so sein Fazit. Aufgabe des Unternehmers sei es, dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter keine Beschäftigten sind. Er riet den Innungsbetrieben, eine „gesamtheitliche Kundenorientierung“ im Unternehmen zu etablieren – und ihre „Lust auf Dienstleistung“ deutlich zu kommunizieren. In seinem Vortrag gab der Coach dazu zahlreiche alltagstaugliche Tipps und Anregungen.
Rechtliche Themen wie Wettbewerbsrecht und Schadensmanagement standen im Fokus der Ausführungen von Jens Bleutge, Geschäftsführer des Landesverbandes Kraftfahrzeuggewerbe Rheinland-Pfalz.
Die Ergebnisse der anschließenden Neuwahlen: Neben Obermeister Mark Scherhag wurde Hans-Werner Norren als stellvertretender Obermeister im Amt bestätigt. Weiterhin gehören dem Vorstand an: Lehrlingswart Stephan Lange, als sein Stellvertreter Hans-Georg Loser, als Beisitzer Hans-Martin Meurer, Patrick Fröhlich, Dr. Manfred Oertel, Annette Hue, Jörg Gerhartz, Joachim Rasbach und Thomas Fetz.
Mit Annette Hue ist erstmals eine Frau im Vorstand der Kfz-Innung Mittelrhein. Mit ihrem Betrieb vertritt sie die Fachbetriebe für historische Fahrzeuge.