Buchbindermeister Lothar Mesereit ausgezeichnet

Langjähriger Obermeister erhält Goldene Ehrennadel und Goldenen Meisterbrief
 
Am 19. April wurde Obermeister Lothar Mesereit in einer Feierstunde im Servicehaus Handwerk aus seinem Amt verabschiedet. Seine Nachfolge in der zur „Bekleidung, Bücher, Schuhe – Mittelrhein“ fusionierten Innung tritt Eva Weber-Ihden an. Von der Handwerkskammer Koblenz wurde der Buchbindermeister für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit der Goldenen Ehrennadel und Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet.
 
„Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos“, mit diesem Zitat von Sigmund Freud eröffnete Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Bischoff seine Laudatio auf den Geehrten. 1938 in Königsberg geboren, kam Lothar Mesereit eher zufällig zum Buchbindehandwerk. „Ich suchte eine Lehrstelle – und da war eben noch etwas frei“, fasst er lapidar zusammen. 6 Mark in der Woche verdiente er im ersten Lehrjahr, 9 Mark im zweiten und 12 Mark im dritten. „Bei einer Mark und 41 Pfennig lag damals der Gesellenlohn“, erinnert sich der 74-Jährige schmunzelnd. Das er in seinem Beruf später einmal so erfolgreich sein würde, hätte sich Lothar Mesereit nie träumen lassen. Ambitioniert war der heute in Schwentinental(Schleswig-Holstein) lebende Obermeister allerdings schon immer: 1962 jüngster Buchbindemeister in Schleswig-Holstein. 1969 gründet er nach einem Abstecher in die Industrie seine eigene Buchbinderei in Koblenz. 1980 wurde Lothar Mesereit zum Obermeister der Buchbinder-Innung Koblenz und zum Delegierten der Kreishandwerkerschaft gewählt. 1989 wurde er für sein Ehrenamt im Gesellenprüfungsausschuss mit der Goldenen Spange ausgezeichnet. 2000 folgte die Silberne Ehrennadel der Handwerkskammer.
Im Sommer 2002 schied der damals 64-jährige aus seinem Betrieb aus und übergab die Geschäfte an seinen Nachfolger Jens Reimen, der die Buchbinderei Mesereit seither führt. Der Innung blieb Lothar Mesereit allerdings weiterhin treu – und agierte zuletzt als Obermeister von Schleswig-Holstein aus.
Besonders gerne erinnert sich Lothar Mesereit an die Arbeit im Lehrlingsausschuss an der Seite von Andrea Zeitzem-Phillips und Norbert Freese. „Wir haben unter anderem gehörlose und schwerhörige junge Leute zu Buchbindern ausgebildet – und Prüfungen in Gebärdensprache durchgeführt“, erklärt er stolz.
14 Mitgliedbetriebe zählte die Buchbinder-Innung Koblenz in den Anfängen. Vor allem in den letzten Jahren sah sich der Obermeister immer wieder mit dem Pauschalurteil konfrontiert, dass das Buchbindehandwerk keine Zukunftmehr habe. „Das stimmt nicht! Genauso wenig, wie die CD das Buch abgelöst hat“, betont er. Sicher, Bücher würden heutzutage fast ausschließlich von Maschinen gebunden. Kein Wunder – bei Auflagen von durchschnittlich 4000 Exemplaren müsste ein einzelner Mann lange an der Werkbank stehen. Aber noch gibt es sie, die Menschen, die sich mit dem alten Handwerk beschäftigen. „Wenn es zum Beispiel um Spezialbindung oder Restaurationen besonders kostbarer Bücher geht, kann nur der Buchbinder helfen“, fasst der Handwerksmeister zusammen.
Neben der Goldenen Ehrennadel und dem Goldenen Meisterbrief darf sich Lothar Mesereit auch über den Ehrenobermeister-Titel freuen, der ihm von seiner Innung verliehen wurde.