Engagement ist wichtiger als gute Noten

„Klein′s Backstüffje“ geehrt
Einer der engagiertesten Ausbildungsbetriebe in der Region ist mitten in der Koblenzer Altstadt zu finden: Zwar hat „Klein′s Backstüffje“ insgesamt „nur“ 24 Mitarbeiter, doch können Bäckermeister Frank Klein und seine Frau Ina Balthasar eine bemerkenswerte Konstanz verweisen, wenn es um Nachwuchsförderung geht.
Aktuell sind im Betrieb acht Lehrlinge beschäftigt, die entweder in der Backstube oder im Verkauf auf ein Berufsleben im Handwerk vorbereitet werden. Die enge Zusammenarbeit mit der Koblenzer Arbeitsagentur gehört für die Inhaber zum Tagesgeschäft. Agenturchefin Anita Baljevic bedankte sich jetzt auf ihre Weise: Sie ehrte das Ehepaar gestern mit einer Urkunde. Aktueller Anlass war der Tag des Ausbildungsplatzes, an dem nicht nur die Agenturchefin, sondern auch zahlreiche Fachberater in die Betriebe gehen, um für die jungen Leute zu werben.
 
Chance für schlechte Schulabgänger
Obwohl sich die Lage auch auf dem regionalen Ausbildungsmarkt entspannt hat, suchen vor allem junge Menschen mit weniger guten Zensuren verzweifelt nach einer Lehrstelle. Dabei gibt es viele Chefs, die auch Schulabgängern mit schlechten Noten eine Chance geben. Man muss sie nur finden. Eine Anlaufstelle ist oft die Agentur für Arbeit, die den Kontakt herstellt. Im Falle von „Klein′s Backstüffje“ läuft die Kooperation schon seit Jahren gut. Frank Klein schaut lieber auf Pünktlichkeit und Engagement, erst dann kommen die Schulnoten. Deswegen ist der Obermeister der Bäcker-Innung Rhein-Mosel-Eifel schon lange dazu übergegangen, den Nachwuchs über Praktika zu rekrutieren. Und auch aus einem Pflichtpraktikum im Rahmen der Schulausbildung haben sich schon Lehrverträge ergeben. Aktuell hat Familie Klein zwei Praktikanten. Diese werden im Sommer auf zwei der drei neuen Ausbildungsstellen nachrücken. Die zwei jungen Leute, die dann ihren Gesellenbrief in der Tasche haben, werden dann übernommen.
 
System hat sich bewährt
Frank Klein betont, dass sich das System bewährt hat. Die Abbrecherquote sei bislang verschwindend gering, betont der Meister. Daran ändert übrigens auch die Tatsache nichts, dass so mancher mit enormen schulischen Mängeln einsteigt. Der Handwerksbetrieb baut gemeinsam mit der Agentur Brücken. Entweder über eine sogenannte Einstiegsqualifizierung oder über die ausbildungsbegleitenden Hilfen. In beiden Programmen werden Defizite beseitigt und die Ausbildungsreife hergestellt. Die Erfolge können sich sehen lassen. So ist es zum Beispiel mehrfach gelungen, Alleinerziehenden eine Ausbildung zu ermöglichen.
Dass man mit einer Bäckerlehre weltweit seinen Weg machen kann, hat sich herumgesprochen. Dass dies mit einer Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin auch gelingen kann, weniger. Frank Klein und Ina Balthasar erzählen gerne die Geschichte von einer Auszubildenden, die sich nach dem Ende ihrer Lehre selbstständig gemacht hat und jetzt mit einem Geschäftspartner Veranstalter in Sachen Ernährung und Verpflegung berät.