Die Privatnutzung von Firmenwagen

A) Die Privatnutzung von Firmenwagen und ihre  einkommensteuerlichen Folgen

Viele Selbstst√§ndige besitzen mehrere Fahrzeuge in ihrem Betrieb. Stehen diese betrieblichen Fahrzeuge auch zur Privatnutzung zur Verf√ľgung, liegt darin ein geldwerter Vorteil, der zum steuerpflichtigen Arbeitslohn geh√∂rt.

 

1.    Was Privatnutzung ist

Privatnutzung ist die Nutzung des Kfz zu Fahrten, die ihre Veranlassung nicht in der beruflichen Tätigkeit haben. Zur Privatnutzung gehören deshalb alle Fahrten, die einem privaten Zweck dienen. Nicht zur Privatnutzung gehören Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

 

2.    Wann die Finanzverwaltung Privatnutzung annimmt

Die Finanzverwaltung nimmt bereits dann das Vorliegen einer Privatnutzung an, wenn

¬∑         der Firmenwagen au√üerhalb der Arbeitszeit bei der Wohnung abgestellt wird und somit bei Bedarf jederzeit privat genutzt werden kann und deshalb kein eigenes Fahrzeug vorgehalten werden muss;

¬∑         der Betriebsinhaber ein betriebliches Kfz f√ľr die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsst√§tte benutzen kann;

¬∑         die Privatnutzung nicht vertraglich ausgeschlossen ist;

¬∑         aufgrund der hohen Geschwindigkeits- und Beschleunigungsf√§higkeit des betrieblichen Kfz davon auszugehen ist, dass bei der Auswahl des Kfz das Motiv der privaten Nutzung mitentscheidend war.

 

Das hei√üt, im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass ein zur Nutzung √ľberlassenes betriebliches Fahrzeug auch privat genutzt wird. Allein die M√∂glichkeit einer privaten Nutzung reicht somit f√ľr die Bejahung einer Privatnutzung aus (Anscheinsbeweis)

Der Betriebsinhaber kann die Annahme der privaten Nutzung jedoch wiederlegen. Er muss Umstände darlegen, aus denen sich ergibt, dass er den Firmenwagen tatsächlich nicht privat genutzt hat.

 

B) Festsetzung des Wertes der Privatnutzung

Der sich f√ľr aus der Privatnutzung des betrieblich genutzten Firmen-Kfz ergebende geldwerte Vorteil kann entweder individuell oder pauschal ermittelt werden. Dies ist zu Beginn eines jeden Kalenderjahres oder bei Beginn der erstmaligen privaten Nutzung festzulegen. Das Verfahren darf w√§hrend desselben Kalenderjahres nicht gewechselt werden. Bei der Benutzung mehrerer Fahrzeuge kann die Methodenwahl auf das einzelne Fahrzeug bezogen ausge√ľbt werden.

 

1.    Individuelle Bewertung

F√ľr eine individuelle Nutzungswertermittlung m√ľssen Art und Umfang der Nutzung im Einzelnen anhand eines Fahrtenbuches nachgewiesen werden. Zu unterscheiden sind:

¬∑         Die beruflichen Fahrten, aufzuzeichnen sind Datum und Km-Stand zu Beginn und Ende jeder Fahrt, Reiseziel, Reisezweck und aufgesuchte Gesch√§ftspartner.

¬∑         Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst√§tte, aufzuzeichnen sind Fahrtstrecke und Nutzungsart.

¬∑         Private Fahrten, aufzuzeichnen ist die Zahl der gefahrenen Kilometer

 

Der Umfang der Nachweise bei dienstlichen Fahrten bestimmt sich nach dem Zweck des Fahrtenbuches, die eindeutige Zuordnung der Fahrten zur beruflichen Sph√§re f√ľr einen Au√üenstehenden nachvollziehbar zu erm√∂glichen.

 

2.    Pauschale Bewertung (1%-Reglung)

Wird kein Fahrtenbuch gef√ľhrt, wird der geldwerte Vorteil aus der √úberlassung des betrieblichen Kfz zur Privatnutzung pauschal mit 1 % pro Monat des ma√ügeblichen Listenpreises bewertet.

 

Diese Methode ist seit dem Kalenderjahr 2006 nur noch f√ľr Fahrzeuge anzuwenden, die zu mehr als 50% betrieblich genutzt werden.

 

3.    Verfahren bei mehreren Firmenwagen

Urspr√ľnglich galt aufgrund einer Anweisung der Finanzverwaltung, dass die 1%-Regelung

nur einmal f√ľr das Fahrzeug mit dem h√∂chsten Listenpreis anzuwenden ist, wenn eine Person mehrere zum Betriebsverm√∂gen geh√∂rende Fahrzeuge auch privat nutzt.

 

Mit Urteil vom 9. März 2010 (VIII R 24/08) hat der Bundesfinanzhof jedoch entschieden, dass die 1%-Regelung auch dann auf jedes Fahrzeug, das der Unternehmer privat nutzen kann, anzuwenden ist, wenn nur der Unternehmer selbst ein oder mehrere Betriebe-Kfz zu Privatfahrten nutzt.

 

Von einer Privatnutzung durch den Arbeitnehmer kann nur dann ausgegangen werden, wenn der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer einen Dienstwagen tats√§chlich zur privaten Nutzung √ľberl√§sst. Aus der blo√üen Bereitstellung eines Fahrzeuges zu betrieblichen Zwecken kann nicht aufgrund eines Anscheinsbeweises darauf geschlossen werden, dass es vom Arbeitnehmer auch privat genutzt wird.

 

C) Umsatzsteuerrechtliche Folgen

Das Kfz geh√∂rt vollst√§ndig zum einkommensteuerlichen Betriebsverm√∂gen, wenn es zu mindestens 10% betrieblich genutzt wird. Die beim Kauf in der Rechnung ausgewiesene Vorsteuer sowie die Vorsteuerbetr√§ge aus den laufenden Kfz-Kosten werden zu 100% vom Finanzamt erstattet. Bei F√ľhrung eines Fahrtenbuches ist die private Fahrzeugnutzung wie folgt umsatzsteuerpflichtig:

¬∑         In die Bemessungsgrundlage f√ľr die Umsatzsteuer auf den Privatanteil gehen diejenigen Fahrzeugkosten ein, bei denen die Vorsteuer abziehbar war (z.B. Benzin, Wartung, Reparaturen, nicht dagegen Kfz-Steuer, Kfz-Versicherung).

¬∑         Die Abschreibung des Kfz erh√∂ht die Bemessungsgrundlage f√ľr die Umsatzsteuer, wobei die sogenannte Umsatzsteuer-AfA von 20% herangezogen wird. Hierf√ľr sind die Netto-Anschaffungskosten des Kfz gleichm√§√üig auf f√ľnf Jahren verteilt. Bei Kauf eines Gebraucht-Kfz mit Vorsteuerabzug und Nutzungsdauer unter f√ľnf Jahren wird auch die Umsatzsteuer-AfA auf die k√ľrzere Nutzungsdauer verteilt.

Beispiel 1:

 

Kfz mit Bruttolistenpreis und Netto-Anschaffungskosten von 25.000 Euro. Jährlich fallen 1.000 Euro Kfz-Steuer, 1.500 Euro Versicherung und 6.000 Euro Reparaturkosten an. Es gibt laufende Kosten von 8.000 Euro. Das Fahrtenbuch weist eine Privatnutzung von 30% aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Umsatzsteuer-AfA

(20% von 25.000)

 

     5.000 Euro

zzgl. weiterer Kosten mit Vorsteuerabzug:

(Reparaturkosten, laufende Kosten)

 

+ 14.000 Euro

abzgl. 70%

(betriebliche Nutzung laut Fahrtenbuch)

 

   13.300 Euro

Bemessungsgrundlage

(umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch)

    5.700 Euro

 

 

19% Umsatzsteuer

 

 

     1.083 Euro

 

 

 

Wird kein Fahrtenbuch gef√ľhrt, kann der umsatzsteuerpflichtige Eigenverbrauch mit der 1%-Methode ermittelt werden. Hierbei unterliegt der Privatanteil zu 80% der Umsatzsteuer.

 

 

Beispiel 2:

 

Wie Beispiel 1, mit dem Unterschied, dass kein Fahrtenbuch gef√ľhrt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 


Bruttolistenpreis:

25.000 Euro

x 1%:

     250 Euro

x 12 Monate

(=privater Anteil)

3.000 Euro

20% Abschlag

    600 Euro

Bemessungsgrundlage

(umsatzsteuerpflichtiger

Eigenverbrauch im Jahr)

2.400 Euro

 

 

19% Umsatzsteuer

 

 

   456 Euro